Vietnam II

Während unserer vierwöchigen Reise durch (unserer Meinung nach) eines der spannendsten Länder, die unser Planet zu bieten hat, kommen sehr viele Eindrücke zusammen. Diesen soll auch ein angemessener Raum geboten werden, weshalb wir uns entschieden haben, unsere Reiseerfahrungen aufzuteilen. In Vietnam I schreiben wir über die Hauptstadt im Norden, Hanoi, eine kleine, untouristische Insel im Norden, Quan Lan, die ländliche, für seine Höhlen bekannte Kleinstadt Phong Nha sowie über die ehemalige Kaiserstadt Hue. In Vietnam Teil II, geht es nun weiter in den Süden: und zwar von Hoi An über Da Lat nach Ho Chi Minh….

HOI AN

Ja, Maria, jetzt schreiben wir tatsächlich über Hoi An und nicht Ha Noi. (Wobei die Städtenamen Vietnams schon wirklich verwirrend sind. Ich mein Ha Noi, Hoi An, Da Lat, Da Nang, Nha Trang, könnte auch alles das gleiche sein, auf den ersten Blick.) Mit Hoi An waren wir also in der Rock Villa angekommen, wir nennen sie auch liebevoll unsere 1te Geburtstagsvilla, da Martin die kommenden Tage seinen 26. Geburtstag feiern sollte.

Der 8. Juni, erwies sich als sehr entspannter und chilliger Tag am Villa-eigenen Pool und großem Frühstück, inklusive der Überraschung für Martinen, einem Geburtstagskuchen. Aufgrund einer kleinen Kommunikationsbarriere bekamen wir sogar jeden Tag vier Frühstücke: Also Banh Mih/Sandwich+Eier+Pancakes+Früchte für 4 Personen – und das ohne Aufpreis. 😉

Wegen der Zeitverschiebung trudelten die Geburtstagswünsche etwas später als gewohnt ein, ich habe mich – vielleicht auch aufgrund der weiten Ferne – nochmal mehr über jeden einzelnen sehr gefreut. Am späten Nachmittag ging es für uns dann in aufgekampelter Montur in die City.

Das mit 26 vorhin war ein schlechter Scherz, er wurde bereits 29 und mit diesem Alter beginnen Männer die verrücktesten Ideen auszuleben, seht selbst:

Martin´s Geburtstagsbart aka Horseshoe Beard = Hufeisenbart der Glück bringt

In der Stadt schnappten wir auf Martins Wunsch noch einen kleinen Happen beim Israeli, was sich als grandiose Idee herausstellte und mussten uns dann eh schon beeilen um noch rechtzeitig zum Treffpunkt der zuvor auf AirBnB gebuchten „Secret Cocktail Tour“ zu kommen.

Wie kann man sich so eine Secret Cocktail Tour vorstellen? Wir und eine Amerikanerin aus Maine trafen uns mit einer Einheimischen, quasi einer Hoi Annerin (die bei der Tour ihr Englisch verbessern konnte und gratis Drinks bekam), zuerst in einem Restaurant wo wir gleich mal noch einen Gusto Teller und den ersten, unglaublich guten Cocktail serviert bekamen.

Weiter ging es dann über die Filmkulisse des Films „Der stille Amerikaner“, einem Balkon über einem Mode Geschäft, die eigentlich keine Bar ist, wir aber trotzdem einen Cocktail bekamen und einen prächtigen Ausblick über die Dächer Hoi Ans hatten, bis hin zu einer Market Bar, wo wir unsere Cocktails selbst mixen durften und Georg und ich es natürlich maßlos mit dem Reisschnaps übertrieben. Und dann war da noch das versteckte Hinterkammerl einer Zigarrenbar in der wir einen durch Aktivkohle pechschwarzen Cocktail serviert bekamen. Fazit: nach vielen Cocktails und den verschiedensten Videotelefonaten mit der Heimat, ging es nach diesem gelungenen Abend wieder heim in unsere Villa, wo Martin glücklich und zufrieden sehr schnell einschlief und Georg und ich noch den Rest des wirklich schmackhaften Geburtstagskuchens zusammen naschten.

Wir fragten uns oft, wie würde so eine Tour in Linz wohl aussehen? Treffpunkt bei einem Aperol Spritz in der Sandburg, nächster Stopp im Cubus mit Sonnenuntergang hinterm Pöstlingberg, Pauls, Zwischenstopp auf ein Brettljausen Picknick im Schlossgarten und das Finale im Frau Dietrich? 😀

Der kommende Tag war also auch von der Gemütlichkeit bestimmt und schon entdeckten wir die nächste Seite Hoi Ans, die uns wunderbar gefiel: den Strand.

Hierfür muss ich kurz ausholen: für Asiaten ist es ja erstrebenswert, so weiß wie nur möglich zu sein, um nicht als Feldarbeiter abgestempelt zu werden – eine der verrückten Eigenheiten des Menschen, immer das zu wollen was man selber nicht hat – und deshalb sind untertags die Stände menschenleer. Erst abends kommen die Einheimischen – nach der Arbeit und nachdem die Sonne nicht mehr so hoch steht – und die ganze Partie wird etwas belebter. Aber nur gut für uns, das ließ uns genügend Zeit und Platz einer der schönsten Beschäftigungen der Welt nachzugehen: dem Sandburgenbauen. (Du bist nie zu alt für eine richtig coole Sandburg/ Mach es zu Deinem Projekt!!!)

De Wöd is a Dorf oder: „It’s a small world after all“

Hier kommt eine kleine Geschichte, die uns diesen Fakt wieder mal bestätigte: Mein Bruder Maxi hat eine Wohnung in Innsbruck, die er über den Sommer zwischenvermietet hat, weil er sie selber nicht braucht. Der Zufall wollte es, dass die junge Frau ursprünglich aus Vietnam ist, genauer gesagt aus Hoi An. Als Maxis Untermieterin erfuhr, dass unsere Route auch in Hoi An halt machen würde, ließ sie uns gleich ausrichten, dass ihre Familie dort ein Restaurant besitzt und sollten wir irgendwelche Fragen haben, sollten wir doch einfach vorbeischauen, die helfen uns sicher weiter. Weil die Neugier in meiner Natur liegt, verschlug es uns eines Abends in das besagte Restaurant, wo wir erstens vorzüglich speisten und nachdem wir die Sprachbarriere irgendwie überwunden hatten auch herausfanden, dass wir direkt vom Bruder und der Mama der gerade in Innsbruck verweilenden jungen Frau bedient wurden. Die Freude war auf beiden Seiten sehr groß und schon hatten wir jeder drei Kugerl selbst gemachtes Eis aufs Haus vor unseren Nasen stehen: Kokos, Mango und Avocado! Und weil’s so schön war, gab’s natürlich auch noch ein gemeinsames Foto:

Im „Restaurant 328“ mit Mama und Bruder von Maxis Untermieterin.

Möge die Naht mit dir sein.

Am nächsten Tag folgte der erste von vielen weiteren Besuchen bei der Schneiderei Tuong Tailor. Martins Studienkollege, Fabian und auch viele andere hatten uns empfohlen in Vietnam bzw insbesondere in Hoi An einen Anzug schneidern zu lassen, da wir hier einen maßgeschneiderten Anzug aus Kashmir inkl Weste und Hemd, zum selben Preis erstehen konnten, wie wenn wir z’Haus eine günstige Variante von der Stange kaufen würden. Dank dem Verkaufsgeschick der Schneiderinnen gaben wir also insgesamt 3 Anzüge und 2 Kleidchen in Auftrag und machten für die kommenden 3 Tage ein Rendezvous zur ständigen Anpassung und Taillierung aus. Nach gut einer Woche waren diese dann auch schon in Österreich und warten auf die anstehenden Hochzeiten und Bewerbungsgespräche in 2020, um getragen zu werden.

Cooking Class

Anlässlich seines Geburtstags bekam Martin eine Cooking Class geschenkt, so lernten wir endlich, wie wir die vietnamesischen Köstlichkeiten auch selbst – mit Stäbchen – zubereiten können. Nach dem kurzem Einkauf am Markt – das rohe Fleisch bei 40 Grad im Schatten schockierte uns schon lange nicht mehr – und der Fahrt mit den für Hoi An typischen Korbbötchen, ging es zur Kochstätte, inmitten einer kitschigen Schilflandschaft. Dort wurde dann so richtig mit Wok und Stäbchen aufgekocht und natürlich auch gleich Gang für Gang verspeist. Zum Abschluss gab’s riesige Stäbchen, die extra zum Kochen geeignet sind sowie ein Kochbüchlein zum zu Hause Nachkochen.

Was hat Hoi An sonst noch so zu bieten?

Wir liebten Hoi An. Einerseits weil wir eine tolle Unterkunft mitten in den Reisfeldern hatten, mit Pool, Platz zu lesen, grandiosem Frühstück und Leihfahrrädern. Mit diesen gelangten wir, an den grimmig blickenden Wasserbüffeln vorbei, in 10 Minuten zum Strand, der unter Tags wie erwähnt menschenleer war und innerhalb von 15 min ins Stadtzentrum, mit seinen vielen Cafés, Boutiquen, Masseuren und Schneidereien. Hoi An liegt am Thu Bon Fluss und dieser, sowie die vielen bunten Laternen und die Boote (ebenfalls mit Laternen bestückt), verleihen dem Städtchen besonders viel Charme.

Die Weiterreise nach Da Lat…

…war wie so oft mit dem Nachtliegebus. Das etwas schwierige für uns: meistens buchten wir das Busticket nicht selbst, sondern die Unterkunft buchte es für uns. Soweit eigentlich kein Problem, jedoch bekamen wir in diesem Fall wie so oft kein Ticket sondern zB nur die Anweisung, seid von 16:30 – 17:00 Uhr da vorne bei der Kreuzung und ein Bus wird stehenbleiben und euch abholen. Um kurz nach 17 Uhr kam dann auch ein Bus und der nahm uns wirklich auch mit … jedoch nur 5 min in die Stadt hinein, dort war Endstation und das Buspersonal wusste nichts von einer Weiterfahrt nach Da Lat… Erst etwas später stellte sich heraus, dass über die Straße rüber, etwas versteckt in einem Hinterhof, das Büro der Busorganisation beheimatet war und von dort auch der Bus um 18 Uhr weiter nach Da Lat fuhr und man uns dort eh erwartete. Was ich damit sagen will: vieles funktioniert anders, es ist für Mitteleuropäer etwas gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert (oder funktionierte zumindest für uns immer – Zufall oder Karma?!).

…wir warten neben der Straße auf den Bus, kommt der noch oder nicht?

Da Lat

Nachdem wir die letzten 77 Tage lang, 24 Stunden am Tag, miteinander verbracht hatten, war die Idee geboren in Da Lat einmal das Backpacker Leben alleine und jeder auf eigene Faust zu probieren. Was auch bedeutete wir suchten uns jeder ein eigenes Hostel und es machte jeder andere Erfahrungen und kann seine eigene Geschichte erzählen:

Martins Da Lat

…mit Sack und Pack das erste Mal ein Grab Bike geschnappt – also wie Uber nur mit Moped – zum Hostel gefahren und dort gleich mal mit gratis Frühstück begrüßt worden. Die Hostelmama nahm sich mein Handy und tippte mir in mein Google Maps die optimale Reiseroute für Da Lat ein, so schnell konnte ich gar nicht schauen. Perfekt durchgeplant mit einem hippen Cafe beginnend, weiter zum Crazy House, Sommerpalast, See, Wasserfall – wobei auch ich von Pagoden und Palästen zu diesem Zeitpunk schon gesättigt war. Wenn man die verbotene Stadt vor kurzem gesehen hat, ist ein weiterer Sommerpalast leider einfach nicht mehr so besonders. Meinen Wunsch einen Scooter zu mieten hat sie mir sehr schnell ausgeredet und ich verstand später warum: der Verkehr in dieser Stadt war sogar vielleicht noch chaotischer als in Hanoi. Nach dem vorzüglichen Cafe An (Tipp!) spazierte ich weiter ins Crazy House, bei dem sich eine vietnamesisches Architektin und Nichte eines Ex-Präsidenten verwirklichen konnte. Von dort aus ging es mit dem Grab dann weiter zu einer Sommerrodelbahn, die bei Wasserfällen und einem Lift mitten im Regenwald endete 😉

Ich muss gestehen, ich genoss es schon ein wenig mich nicht abstimmen zu müssen, oder vielleicht ist es sonst auch nur das Gefühl mich abstimmen zu müssen. Das einfach darauf loszuspazieren und die kleinen Dinge zu entdecken und zu beobachten hat eine sehr meditative Wirkung auf mich.

Beim abendlichen Family Dinner (die gastgebende Vietnamesenfamilie kochte für alle Hostelgäste auf) kam dann der Anruf von Maria, ihr soeben umgeknickter Fuß müsse behandelt werden. Ich ließ alles liegen und stehen und rannte in Windeseile durch den strömenden Regen zu ihr in die Maze Bar. Erst ein paar Wochen vor unserer Abreise, hatten wir im engeren Freundeskreis einen gebrochenen Knöchel vorzuweisen und darum stieg auch die Anspannung, die sich nach ein paar Tagen zum Glück als unbegründet herausstellen sollte. Nochmals gut ausgegangen. Später folgten wir der Einladung des Nebentischs (eine vietnamesische Familie aus dem Norden Vietnams mit Tochter, deren Eltern und Tante und Onkel) und verbrachten dann sogar noch einige Stunden in dieser großen Runde und trafen auch wiedermal zwei weltbereisende Österreicher. Die vietnamesische Mutter entdeckte gerade „Facebook LIVE“ für sich und hat 90% des Abends angeblich einen Live-Stream von unseren Gesprächen mitlaufen lassen. Verstanden hat uns aber nur die Tochter, die auch als Dolmetscherin zwischen uns und ihrer Familie fungierte. So entstand ein sehr lustiger, multikultureller Austausch und so nahm der Abend seinen Lauf.

Als die Bar schloss, wurde uns noch bewiesen, wie viele Leute in Vietnam in ein Auto passen. 😉 Auf den Scootern zählten wir ja ein Maximum von 6 Personen (2 Erwachsene und 4 Kinder) inkl. deren Einkäufe.

Für den nächsten Tag buchte ich die hoch angepriesene Secret Tour von Mr Rot, da mir die Hostelmamma offensichtlich keine Mountainbike Tour buchen wollte. Was diese Tour auszeichnete: die Tourguides an sich waren schon sehr lustig und da ich mit einer eingeschweißten Reisegruppe von Amerikanern, Kanadiern und Australiern unterwegs war, lief der Schmäh. Vormittags klapperten wir noch das klassische Touristenprogramm ab, eine Heuschreckenfarm inkl Verkostung, einen Wasserfall, Seidennähereien, Verkostung von exotischen Früchten etc… alles sehr sehenswert, aber noch nicht vom Hocker hauend.

Am Nachmittag und nach ein paar Kennenlern/Ice-Breaker-Spielen, wie Kartenblasen, folgte das Highlight der Tour, der Besuch eines indigenen Volkes. Dieser Programmpunkt wurde uns als besonders einzigartig angepriesen und verkauft, weil die Regierung verboten hätte diese Ortschaften für Touristen zu öffnen. Ausserdem würde sich ein Besuch als besonders schwierig erweisen, da niemand deren Sprache spricht, außer Mr Rot, der dort aufgewachsen und später in die Stadt gezogen ist. Das und das gesamte aufgebaute Geschichtenkonstrukt entpuppte sich später als mit Liebe zum Detail inszeniertes Theater, da die Handlungen und Aussagen am kommenden Tag 1:1 wiederholt wurden. Die anfängliche Ablehnung der Einwohner des besuchten Dorfes, sowie die spätere großzügige Einladung auf Speis, Trank und Tanz mussten einfach vorab abgesprochen worden sein und so exakt wie sich die Geschichte bei Maria am nächsten Tag wiederholte. Zugegeben, ein teils sogar Tränenergreifendes Theaterstück, das bei vielen der Tourteilnehmer mehr Emotionen hochkommen ließ als Bambi oder Titanic. So lässt sich also mit einer Secret Tour/geheimen Tour, bei der man sich bewusst überraschen lässt, auch gut Geld verdienen.

Den dritten und verregneten Tag, verbrachte ich im KaffeeSPA in mitten der Kaffeeplantagen in Heißwasserbecken, die mit Kaffee angereichert waren. Ich muss zugeben, ich fotografiere, inszeniere und dokumentiere auch gerne, aber was sich dort abgespielt hat, hat mich ein bisschen verstört. Als in der Sauna oder besser gesagt im Dampfbad, alle bis auf mich mit Handy und sogar Stativ gewappnet waren und für das perfekte Sauna Selfie posiert haben. Also wirklich alle, von Jung bis Alt, die Mitarbeiter waren eigentlich nur damit beschäftigt zu fotografieren bzw das Handtuch der Models „perfekt“ zu binden.

…nachdem ich den ganzen Tag dort verbracht habe, auch von mir ein Foto von den Plantagen der Umgebung

Marias Da Lat

…nachdem der erste Abend durch eine abgeschrägte Bordkante mit einem blutigen Knie und einem hochgelagerten Fuß und viel Eis in der mit unzählbaren verwinkelten Stockwerken, labyrinth-ähnlichen „Maze“-Bar endete ging ich die Tage darauf eher ruhig an. Da Martin und ich dieses Jahr neben dem Reisen auch ein Fernstudium absolvieren, war meine Zeit in Da Lat sehr vom Lernen, Forum-Beiträge posten und online mit Studienkollegen diskutieren geprägt. So ging ich also von Cafe zu Cafe, probierte das von Martin empfohlene Cafe An aus, und erlebte bei Cappuccino und den theoretischen Grundsätzen der PR den ersten monsunartigen Regenguss in Asien. Natürlich gehörte auch zu meinem Programm das Crazy House als Attraktion dazu, außerdem sind lange Spaziergänge um den See sehr zu empfehlen und das köstliche Streetfood, wie Ban Mih oder saure Crepes mit Lachs und Gemüse. Da Lat war für mich ein Ort zum runterkommen, es war hier nicht so schwül wie im Rest von Vietnam, es gab einige Orte um sich zurückzuziehen und viele gemütliche Cafes, die wieder sehr von der französischen Kultur geprägt sind. Der Grund dafür ist, dass natürlich auch die Franzosen irgendwann herausfanden, dass die Gegend um Da Lat das ganze Jahr über kühler ist als Rest-Vietnam, somit bauten sich nicht wenige in Da Lat eine Sommerresidenz auf, die teilweise immer noch stehen.

Auf Empfehlung von Martin buchte ich für den letzten Tag auch die „Mr. Rot“ Secret Tour und war richtig gespannt darauf, was mich erwarten wird: laut Martin ja, eine super individuelle Tour, die noch dazu Geheim gehalten werden muss, weil sie anscheinend fast illegal abgehalten wird, deshalb gibt’s auch wenig Fotos vom interessantesten Part der Tour, und man kommt ganz nah ran an die „Ur-Vietnamesen“ die am Land leben und dort noch ganz traditionell ihr Leben genießen. Mehr erzählte er mir aber nicht, damit ich auch in den Genuss der Überraschungen komme. Hier kürze ich aber ab: die Tour war dann nämlich, nach langer Analyse von Martin und mir, komplett ident mit Martins. Es war keines Wegs so, wie bei der Tour beschrieben, dass Mr Rot jeden Tag ein anderes Dorf aufsuchte und ihn die Leute darin nicht kannten, dass er sich jedes Mal aufs neue ihr Vertrauen erarbeiten musste, bis er mit uns Touris in eines der Häuser eingeladen wird. Martins und meine Erzählungen waren so übereinstimmend, dass wir zum Entschluss kamen, dass das ganze wohl eine Show war. Von den wütenden Frauen zu Beginn, bis hin zum „Ratten“ Fleisch, den gewebten Stoffen und den traditionellen Liedern und Tänzen.

Jedenfalls haben wir jetzt zwei handgewebte Stoffe dieses Volks gekauft, obwohl laut Aussagen von Mr Rot uns diese sogar schenken wollten, aber wer nimmt das von einem Volk das sich von Rattenfleisch ernährt schon an? Da gibt man vielleicht sogar ein bisschen mehr.

…ich war so Aufgeregt, dass ich gach die Handyhülle zuklappen musste.

Georgs Da Lat

…die erste Nacht verbrachten Maria und ich im selben Hostel. Wie der letzte gemeinsame Abend ausging wissen wir ja bereits.

 Am nächsten Tag verlies mich meine letzte Gefährtin, doch hatte ich schon zuvor für Gesellschaft gesorgt. Noch in Hoi An lernten wir eine Vietnamesin namens Dau kennen, die in unserem Hotel arbeitete. Sie erzählte uns sie wäre zur selben Zeit wie wir in Da Lat und fragte ob sie sich uns anschließen könne. Natürlich konnte ich da nicht nein sagen und so hatte ich eine einheimische Begleiterin für die nächste Stadt gewonnen. 

Also nicht lange nach der Trennung von Maria traf ich mich mit Dau und wir mieteten ein Motorrad. Es ist sehr zu empfehlen eine einheimische Fahrerin zu haben die die Gepflogenheiten auf den Straßen Vietnams kennt. Und so starteten wir unseren Ausflug erstmals ohne ein wirkliches Ziel. Nach einer kleinen Rundfahrt in der Stadt gingen wir ein wenig spazieren und betrachteten die schöne Architektur der Stadt. Darunter ein Gebäude in Form einer Artischockenknospe und eines in Form einer Sonnenblume und schließlich fanden wir uns wieder im „Crazy House“. Zum Schluss machten wir noch einen Spaziergang im wunderschönen Blumengarten und dann war auch dieser Tag vorbei.

Der nächste Tag begann abermals mit einer Fahrt auf dem Motorad in Richtung Wasserfall. Zu unserem Pech war es Wochenende und somit blieben die einheimischen Touristenmassen nicht aus (wegen des milden Klimas ist Da Lat und die Region herum bei Vietnamesen sehr beliebt). Nach dem Gedränge am Wasserfall ging es zum Zen Tempel und zum Sommerpalast des Kaisers. Nach dem verspeisen von Hühnerfüßen!!! zu Mittag besuchten wir den berühmten alten Bahnhof und dort tranken wir den bekannten Kaffee aus Da Lat und danach ging es zum „Art House“.

unser Mittagessen

Dieses Museum hat mir, von allen Dingen in Da Lat, am besten gefallen (hierfür eine Dr. Karl Froehlich Empfehlung). In diesem Haus sind Bilder die aus Seide geknüpft wurden ausgestellt und diese werden auch dort gefertigt. Man kann den Damen bei ihrer Arbeit auch zu sehen und versteht dann erst wirklich was für eine Arbeit und Handfertigkeit hinter den Bildern steckt. 

Am Ende des Tages gab es noch ein gemeinsamen Abendessen mit Dau. Dann folgte wieder mal ein trauriger Abschied. 

Die Zeit in Da Lat hab ich sehr genossen und viel über die Stadt und das Land selbst gelernt. Man erfährt halt mehr wenn man mit einer einheimischen Person unterwegs ist.

Ho Chi Minh

In der bevölkerungsreichsten Stadt Vietnams wollten wir es wieder mal wissen und buchten uns ein Apartment in einem Wolkenkratzer mit Infinity Pool am Dach. Den Abend ließen wir gemütlich mit „Jack“ in der Backpacker Street ausklingen.

Für was sich die „Hauptstadt des Südens“, Ho Chi Minh, die viele noch unter dem alten Namen „Saigon“ kennen, eignet haben wir dann in den nächsten Tagen herausgefunden: Zum Shoppen (zB Miniaturschiffe oder Gewand in Hipsterläden) Kaffeetrinken – den bester Kaffee den wir je getrunken haben!! – oder natürlich um Streetfood zu genießen. Da wir bereits vor der Reise richtige „Foodies“ waren und wir diese Eigenschaft in den letzten Monaten noch mehr erweitert haben, buchten wir uns eine Streetfood-Tour, wo wir von Studenten aus Saigon per Mopeds quer durch die Stadt fuhren und bestes vietnamesisches Essen ausprobierten.

Mekong Delta Tour

Unsere weitere Reiseplanung sollte uns nach Kambodscha führen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wie vor unserer Abreise in Österreich, mehr oder weniger erfolgreich, die Visa bis nach Vietnam fixiert und somit eigentlich auch nur diese ersten Länder als fixen Bestandteil der Route geplant hatten. Als wir dann hörten, dass uns Marias Eltern bzw Marlies, Peter & Phips im Juli auf Bali besuchen würden, ergab sich die Weiterreise über Kambodscha nach Bangkok/Thailand, von wo wir den Flug auf das Indonesische Yoga-Mekka antreten würden.

Warum also nach Flug, Zug und Auto nicht mal mit dem Boot die Grenze überqueren?! So buchten wir eine 3-tägige Tour die uns durch das Mekong Delta (dem 11. längsten Fluss der Welt und der „Mutter aller Flüsse“) bis nach Kambodschas Hauptstadt, Phnom Penh führen sollte.

Mr Handsome

Abschiedsfoto mit Mr. Handsome

Wie wir alle wissen, hat Maria eine Schwäche für charmante und witzige Entertainer und so einer war auch unser Tourguide, der sich kurzerhand als Mr. Handsome vorstellte. Tourguides und Tauchlehrer sind ja quasi die Skilehrer Südostasiens. Mit Schmähs wie, „M-A-R-I-A (stellt euch das gaaaanz laut, quer durch den ganzen Bus schreiend und jede Silbe betonend vor) you and your guys are today invited for BIG Dinner, you know why? Because, it’s my Birthday..“ und er hatte jeden Tag Geburtstag also hatten wir an jedem der Tage das Essen in unserer Tour inkludiert. Und weil Maria bekannter Weise ned Schmähstaat is, und sich Rückmeldungen (auch quer durch den Bus) nicht sparen konnte, war sie gleich mal der ganzen Reisegesellschaft ein Begriff.

Für eine organisierte Bus-Bootstour war diese also wirklich witzig und amüsant: wir umarmten Schlangen, tranken Kobraschnaps, aßen viel frischen Fisch aus dem Fluss, fuhren auf dem doch sehr vermüllten Mekong, kauften am schwimmenden Markt ein und beobachteten Vögel. Wer organisierte Bus-Touren mag, der wird so eine Mekong-Delta-Tour lieben. Für uns war es eine willkommene Abwechslung, grundsätzlich planen wir unsere Abenteuer lieber selbst.

Was gehört sonst noch erwähnt?

Die Vietnamesen und das Streben nach der Freiheit

Der Vietnam Krieg oder, wie wir später erfuhren, die Vielzahl an Befreiungskämpfen, haben vielleicht die Landschaft geprägt, die Leute schienen nichtsdestotrotz frohen Mutes zu sein sowie überaus freundlich und neugierig gegenüber Touristen eingestellt.

Vietnam war irgendwie immer fremdbestimmt – ganz früher von den Hunnen und den Japanern, dann lange kolonialisiert von den Franzosen und schließlich kamen die Amerikaner und setzten aus Angst, von dem sich ausbreiteten Kommunismus, auf das falsche Pferd und unterstützen einen Diktator im Süden. Sie wollten doch eigentlich nur frei sein und die Dorfbevölkerung musste sich vor den abschusshungrigen Amerikanern aus dem Süden, sowie der Terrorisierung durch die Vietkong aus dem Norden in Acht nehmen. Um so erstaunenswerter mit welchem Optimismus die heutigen Generationen der Zukunft und Globalisierung entgegenblicken.

Der Verkehr

Auch wenn wir in Moskau die Mega-Straßen passierten oder in Shanghai in Massen über Ampeln strömten – der Verkehr in Vietnam befolgt seinen eigenen Regeln. Beginnen wir mit der Situation in der wir uns am öftesten befanden – als Fußgänger: den Gehsteig kannst du vielleicht in 10% der Fälle benutzen, dort parken meistens die Motorräder und Scooter oder sie werden von anliegenden Restaurants als Gastgarten für das beliebte Streetfood benutzt. Also gehst du am Rand der Straße, wo dir eigentlich auch jeder diesen Platz eingesteht, du aber immer auf Löcher in der Straße aufpassen musst und wenn zu viele Scooter nebeneinander fahren, dann benötigen diese natürlich den Platz. An was man sich auch erst gewöhnen muss, vor jedem Manöver wird die Hupe getätigt. Also bevor in eine Kreuzung gefahren wird, wenn die Spur gewechselt wird und immer wenn man auf sich aufmerksam machen möchte, wird gehupt. Dazu kommt noch die Goldene Regel, je größer das Verkehrsmittel desto mehr Vorrang. Die Verkehrsnahrungskette kann man quasi wie folgt beschreiben: Bus, SUV, PKW, Motorrad, Scooter, Fahrrad und dann (nachdem lange nix kommt) kommt der Fußgänger.

Das trotzdem schöne daran: es fährt eben nicht jeder blind nach den Regeln und Gesetzen sondern man gibt aufeinander acht!

Marias Auszucker……

…an den Verkehr musste ich erst mal gewöhnen. Und das dauerte…. die ersten Tage in Hanoi waren nicht leicht für mich. Ständig musste man befürchten, entweder von einem Moped gestreift oder mit dem rechten Fuß in einen offenen Kanal zu steigen. Dazu kam die für uns noch ungewöhnlich heiße Schwüle und die vielen vielen Menschen und der Lärm der Altstadt, der sicher auch zu meiner schlechten Laune in den ersten Tagen beigetragen hat. Jedenfalls reichte es mir eines Tages, als wir (ich wahrscheinlich auch noch hungrig zu dem Zeitpunkt..) durch Hanois Straßen gingen und ich mich wiedermal von Mopeds und Löchern bedrängt fühlte. Als Schutz meiner selbst begann ich meine Trinkwasserflasche mit der linken Hand neben meinem Körper kreiseln zu lassen um mir einen Sicherheitsabstand zu verschaffen. Was soll ich sagen, es funktionierte so gut, dass sogar Martin und Georg hinter mir einen gewissen Abstand ließen, weil sie meine Wut auf den Verkehr bis nach hinten spürten. (Ich hab mich dann aber wieder eingekriegt.)

Ausserdem ist der Transport in Vietnam ist billig. Die vielen Kilometer Nachtfahrten im Schlafliegebus kosteten uns pro Nase immer rund 12 Dollar. Ein Grab Car (das asiatische Uber) in der Stadt kostet max 8 Euro, für eine 45min Grab Scooter Fahrt aufs Land habe ich irgendwas bei 3 Euro bezahlt. Es funktioniert großartig. Per App bestellen, aufsitzen und schon windet sich ein kompetenter Scooterfahrer durch das Verkehrschaos der Stadt, so ist man viel schneller am Zielort als mit Bus oder Taxi, geschweige denn zu Fuß.

Die Früchte-Leibchen.

Es gibt sie überall zu kaufen, für Frauen, Kinder, Männer, als Kleidchen oder als Anzug oder als Hut. Man kann durch Vietnam also „perfekt“ gestyled als Familie der Bananen, Ananas oder Tutti Frutti spazieren.

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