Chinas Süden

Prolog

Vielleicht ist es den eifrigsten Bloglesern unter euch auch aufgefallen: Chinas Norden hat uns gleich mal ziemlich erdrückt, um nicht zu sagen, wir waren schlichtweg überfordert, mit den nochmals komplett unterschiedlichen Gepflogenheiten dieser doch sehr anderen Kultur. Es waren neben den angeführten Schwierigkeiten im letzten Artikel, auch viele kleine Dinge die uns irritierten: die Konversation mit den meisten Chinesen entpuppte sich als eine schwierigere Angelegenheit, als den BREXIT zu verhandeln, die Menschenmassen traf man schier überall zu jeder Tages- & Nachtzeit an, es war eine Hektik an der Tagesordnung und zwar keine romantische Hektik wie man es sich am Timessquare vorstellt, sondern eine ungemütlich-chaotische „Hektizität“. Dazu kam die Zensur, die wir so einfach nicht gewohnt waren und wir uns in dieser Art auch zuvor nicht vorstellen konnten; „schnell mal was googeln“ ging genauso wenig (habt ihr die letzten 10 Jahre schon mal Bing benutzt? Das ist eine Zeitreise in die Vergangenheit) wie WhatsApp, Facebook oder Instagram zu checken, was die weitere Planung erschwerte und wir diese erstmalig nicht mehr in der eigenen Hand hatten, sondern wir von unseren Hostelmamas, Ticketschalter-Beamten (die uns nicht verstanden und taten was sie wollten) und hilfsbereiten Passanten abhängig waren.

Das alles oder zumindest vieles änderte sich, als wir weiter ins Landesinnere, gen Süden reisen. Vielleicht gewohnten wir uns auch mehr daran, jedenfalls begannen wir ab hier die richtig schönen Juwelen Chinas zu entdecken, die wir nun ausführlicher mit euch teilen wollen:

Chengdu

Chengdu, das bedeutete für uns: Endlich! Raus aus den Riesenmetropolen – hier leben zwar immer noch 14 Mio, Einwohner, aber es fühlte sich zumindest gleich mal etwas „ländlicher“ an, als Xi An oder Peking. Ein weiterer Grund für dieses ländliche Gefühl rührte sicher auch daher, dass wir immer näher an die tibetische Grenze rückten, wir also in höhere Lagen kamen und es hier mehr Nationalparks und Wege in die Natur gab.

Von hier aus wollten wir eigentlich eine Tour in den Jiuzhaigou Nationalpark buchen, ein überall hochangepriesenes, farbenreiches Naturareal mit vielen Seen und Wandermöglichkeiten. Jedoch war das Gebiet vor wenigen Jahren von einem Erdbeben beeinträchtigt worden und obwohl unser Hostel Touren dorthin anbot und die Hostelmamas auch wussten, dass er eigentlich bald wieder aufgesperrt werden sollte, wusste niemand wann. Ein Klassisches Chinesisches Paradoxon: es werden einerseits Touren angeboten, aber dann irgendwie doch nicht, weil der Park gesperrt ist.

Für den ersten Nachmittag in Chengdu buchten wir eine originale Sichuan Cooking Class und diese war großartig! Sichuan kennt man z’Haus von den Saucen beim Mongolen oder im China Restaurant. In der Speisekarte werden Gerichte „nach Sichuan Art“, meist mit der maximal möglichen Anzahl an Chili Schoten auf der internationalen Chili Skala begleitet. Wir befanden uns jetzt also in der Hochburg und Metropole dieser Sichuan Region und tatsächlich, die Gewürze hier sind alle einzigartig, grandios im Geschmack und haben eines gemeinsam: die Schärfe.

Ein überaus lustiger und charmanter Einheimischer (wir nannten ihn unseren chinesischen Harry Potter – schaut auf die Brille und den Haarschnitt!) ging mit unserer Gruppe, der auch ein Pole und eine Koreanerin angehörte, durch einen typisch asiatischen Food-Market. Wir mussten verschiedene Aufgaben lösen wie Tofu, Frühlingsrollen oder Reisschnaps auf chinesisch bestellen, sowie einen chinesischen Mini-Dumpling selber formen. Wir kosteten die frischesten und bislang besten Frühlingsrollen überhaupt und probierten die verschiedenen, teils Zunge-lähmenden Gewürze der Sichuan Region. Danach ging es, an vielen Mahjong spielenden Männern vorbei in die Küche.

Wir kochten auf, ein Traum – Schöber Fritz (Anm.: Küchenkoryphäe und Kochlehrer der Tourismusschule in Bad Leonfelden) wär‘ stolz auf uns: Wok, Dumpling-Dämpfer, riesige chinesische Fleischer Messer, Stäbchen, MSG,.. alles was du in China zum Kochen brauchst, war in Stäbchenweite. Doch wenn wir statt einem EL Chili oder Ingwer einen zweiten EL hinzufügen wollten, klopfte uns die chinesische Oberköchin schon auf die Finger – dafür waren Georg und ich um so stolzer, wenn wir unbemerkt mehr nach unseren Vorstellungen würzten. Es wurde ein Festmahl. Und als kleines Extra lernen wir auch wie man in China Tee richtig trinkt – mit nur einer HAND!

Da Bier und Reiswein bei der Tour inkludiert waren, wurde feuchtfröhlich über die Region, die Regierung und Überwachung, Zhima Credit, Zugehörigkeit Hongkong und Taiwan debattiert, wobei man schon merkte, dass die Propaganda einen großen Einfluss hatte und manch ein Thema nur mit vorgehaltener Hand angesprochen wurde. Der polnische Teilnehmer der Cooking Class studierte und arbeitete schon seit ein paar Jahren in China und es war spannend zu beobachten, dass ihm Kritik an der Regierung etwas lockerer über die Lippen gelangte, als unserem chinesischen Tourguide, wobei auch der Pole sich nicht über alles sprechen traute und bei prekären Themen das Mikrofon seines Smartphones abdeckte.

Pandas of Chengdu

Chengdu ist neben der Schärfe, auch bekannt für seine Pandas, die wir am nächsten Tag besuchten. An dieser Stelle gehört erwähnt: Chinesen lieben Pandas! Neben Pandaschulranzen, Pandaschmuck oder Erklärungsvideos am Flughafen bei dem Pandas anstatt Menschen abgebildet werden, laufen auch eine beachtliche Anzahl an Leuten mit Pandaohrhaarreifen herum – schon eher schräg. In Chengdu befindet sich eine der größten und vor allem die berühmteste Pandaforschungs- und Aufzuchtseinrichtungen der Welt und wir mussten auch feststellen: Pandas sind schon besonders lieb-lustige, vielleicht einen etwas tollpatschigen Eindruck vermittelnde, Tiere.

Und auch die Einwohner Chengdus identifizieren sich stark mit den Pandas und werden angeblich auch von den anderen Chinesen scherzhaft als Pandas bezeichnet. Das nehmen sie jedoch als Kompliment auf und gestehen ein, dass sie gerne weniger hektisch, mehr gemütlich und träge sind – eben wie Pandas, vielleicht auch deshalb waren sie uns besonders sympathisch und konnten wir sie liebgewinnen.

Chengdus Altstadt hat einiges Erkundenswertes zu bieten und lädt definitiv zum herumschlendern und spicy Hot-Pot (auch veggie) genießen ein (in Chengdu gibt es glaube ich kein nicht-spicy, sehr zum Leiden Marias).

Wofür wir in Schwechat noch das Flughafenpersonal beauftragt hatten, erledigten wir in Chengdu schon ganz gekonnt selbst: das Einfolieren unserer Rucksäcke. (Immer mit ein paar Asiaten im Hintergrund, die uns neugierig beobachteten.)

Lijiang, das chinesische Innsbruck

Hei Long Tan Park

Den zweiten Flug unserer Reise nahmen wir also von Chengdu in das chinesische Dorf Lijiang (mit nur etwas mehr als 1 Mio Einwohnern). Wir waren in den Bergen angelangt – auf 2.600 m – an den südöstlichen Ausläufern des Himalaja Gebirges.

Nun waren wir erstmals komplett weg von Wolkenkratzern und hohen Häusern, was die Aussicht auf die Berge rundherum gleich um ein vielfaches verbesserte. Hier fühlten wir uns in China das erste Mal am ehesten wieder wie zu Hause und wir hatten irgendwie das Gefühl, dass man auch als Chinese gerne hierher auf Sommerfrische kommt: Lijiang ist ein wunderbares alt-chinesisch gehaltenes Dörfchen mit verschiedensten Manufakturen und charmanten Verkaufsständen, die sich in engen Gassen zwischen Flüsschen und Restaurants aneinander reihen. Wobei wir bald bemerkten, dass die angepriesenen Souvenirs Teil einer großen Inszenierung waren. Es schien zwar alles sehr handwerklich und „do it yourself“ zu sein, nach 500m tauchte aber ein identer Betrieb auf, mit den Exakt gleichen selbstgeschöpften Papierprodukten, Stoffen, Steinen oder Schmuck, nichtsdestotrotz waren wunderschöne Erzeugnisse dabei.

Unser ungeschlagener Favorit waren die Shops der FrüchteverkäuferInnen. Sie präsentierten ihre gekühlten und im ganzen gehaltene Früchte, man sammelte seine Lieblingsfrüchte (oder an experimentierfreudigen Tagen auch unbekannte Früchte – für Martin ist jeder Tag ein experimentierfreudiger Tag) in einem Schüsserl ein, danach wurden sie gewogen und man bekommt diese wie von der Kindergartentante (Anm.: PÄDAGOGIN!) in mundgerechte Stückchen hergeschnippelt – köstlich, da verdrückten wir schonmal 3,5 kg Früchte zum Abendessen.

Schritt 1: Früchte ungeschnippelt einsammeln
Schritt 2: Geschnippelt genießen!

Nachdem sich Martin bereits in Chengdu einen feschen neuen und vor allem günstigen (4 Euro) Haarschnitt gegönnt hat, war ich motiviert in Lijiang einen Friseur aufzusuchen. Nachdem mich meine erste Wahl ablehnte (oder sie einfach nicht verstanden, was ich eigentlich möchte), fiel ich zwei jungen Friseuren in die Hand, die sichtlich Freude daran hatten, einer Blondine die Haare zu schneiden. Und nachdem ich sowieso immer schon besser zeigen konnte, welche Frisur ich mir vorstellte, welche Haarlänge und welche Art von Stirnfransen, brauchte es nicht mal vieler Worte (ja, ich weiß, sehr ungewöhnlich für mich…). – Umgerechnet starke 3,90 € kostete mich das Vergnügen, somit war auch mein Ziel erreicht, einmal weniger Geld beim Friseur auszugeben als die Männer.

Nach dem Haarschnitt gab’s natürlich noch ein gemeinsames Selfie!

In Lijiang genossen wir die Zeit um von den City Trips mal runter zu kommen, um in Parks zu verweilen, wandern zu gehen (siehe weiter unten) und wir machten unsere erste Moutainbike Tour. Unser Ziel wäre ein schöner See gewesen, deswegen packten wir unser Badezeugs, Sonnencreme und Handtuch ein und liehen uns (unter Martins Kenner-Blick) drei ganz gute Mountainbikes aus. Und dann ging es bergauf. Was auf der Karte nach einer zwar steilen, aber durchaus schaffbaren Mountainbiketour aussah, entpuppte sich als ziemlich „zache Partie“ – zumindest für Georg und mich. Einen See sahen wir alle 3 an diesem Tag nicht, geschweige denn sprangen wir in ein kühles Nass. Dafür waren wir am Ende des Tages sehr stolz auf unsere sportliche Leistung und das Bier war durchaus verdient!

Unser Erstkontakt mit der Stinkefrucht Durian erfolgte ebenfalls hier. Es ist schon sonderbar, die einen lieben Sie, die anderen ekeln sich vor ihr – wir gehören der 2ten Gruppe an. Seither geben wir diese Frucht auch an, wenn wir im Restaurant oder CookingClasses nach Unverträglichkeiten gefragt werden. Wenn es einen Frucht-Hype derzeit in Asien gibt, dann ist es die Durian, wobei es für uns komplett unverständlich ist, da sie stinkt und der Geschmack für unsere Gaumen grauenhaft ist. Immer wieder sahen wir in den Gassen Lijiangs diese große gelbe Frucht beworben. Nichtsahnend haben wir uns in einem der zahlreichen Bistros dann eine Durian Torte bestellt, aber konnten und wollten diese nicht einmal zu Dritt aufessen. So sehr wir Lebensmittelverschwendung verabscheuen – die Durian verabscheuen wir noch mehr. Seit diesem Erlebnis verfolgt uns diese Frucht auf Schritt und Tritt…(und wir werden sie voraussichtlich erst wieder auf den Cook Islands oder in Neuseeland los werden..)

Ihr sagt „Durian“ wir sagen „Wääääh“.

Tiger Leaping Gorge

Der Jangtsekiang ist der längste Fluss Chinas (teils mit sehr negativem Image) und der drittlängste der Welt, in meinem Kopf verbinde ich diesen Fluss immer noch mit einem Geografie-Referat in der Unterstufe, wo durch die Aufstauung des Flusses Millionen von Menschen umgesiedelt werden mussten. (DANKE, Prof. Greiner, Magda & Hanna ;-)) Auch da wurde bereits diese Tiger-Sprung-Schlucht erwähnt und auf die Empfehlung eines China-affinen Arbeitskollegen von Martin (DANKE Thomas!) zog es uns auf eine zweitägige Wanderung dorthin. Verschiedenste Reiseblogs sei Dank konnten wir uns sehr gut darauf vorbereiten – Wanderkarten hatten wir bzw gibt es, bis auf ein paar handgezeichnete Karten der Guesthouses entlang der Route, keine.

Hier bahnt sich der Jangtse mit wildem Getose durch die Schlucht

Mit Hilfe unserer Hostelmamas (bzw war es diesmal der Sohn der Hostelmama, der Maria gleich nach unserer Ankunft eine Zigarette anbot, um sie zu beeindrucken, sie diese aber selbstredend ablehnte) buchten wir eine der neueren Unterkünfte, die eine atemberaubend schöne Aussicht auf den Jade-Dragon-Snow-Mountain (Ausläufer des Himalaja, mit 5596 m Höhe) und die darunter befindliche Tigersprungschlucht versprach. Der Hostelpapa in den Bergen empfahl uns sogleich die ersten Höhenmeter bis zum Naxi-Guesthouse mit einem Taxi zurück zu legen, da der Weg nur über die Straße verläuft und man sich so Energie für den restlichen Wanderweg sparen kann.

Voller Wander-Vorfreude ging es um 6 Uhr in der Früh in Lijiang mit dem Taxi zur Bushaltestelle. Von dort aus erwartete uns, auf der Suche nach dem springenden Tiger, eine 3 Stunden Busfahrt nach Qiaotou. Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass der Chinese neben uns lautstark chinesisches Musikantenstadl hörte, jedoch das Kopfhörer-Kabel nicht richtig eingesteckt war und er immer lauter drehte um auf die gewünschte Lautstärke zu kommen. Weder wir, noch die anderen Fahrgäste wollten ihn darauf anreden. Dafür stellte er sich als sehr hilfsbereit heraus, als es darum ging, wo wir aussteigen mussten.

Angekommen in der eher verdreckten Stadt Qiaotou am Rande des Nationalparks, nahmen wir eben auf Empfehlung unserer Unterkunft ein Taxi für die ersten vielen und unschönen Höhenmeter. Auch wenn wir gerne wandern – wir waren echt froh über diese Entscheidung, da die Steigung selbst im Auto sitzend an einigen Stellen eher grenzwertig ist und man nur von Baustellen umgeben war. Nach der kurzen Auffahrt stiegen wir beim Naxi Guesthouse aus und verloren Georg gleich mal, als er für ein paar Minuten aufs Klo verschwand und dann einen anderen Weg hochging. Bereits die ersten Meter waren fordernd und nach einer zügigen Stunde Gehzeit, standen uns noch immer die „28 Bends“ (28 Serpentinen) bevor, von denen wir in allen Blogs und auf allen Karten gelesen hatten. Wir probierten zwar, die 28 Serpentinen zu zählen, aber nachdem Martin bereits bei der Hälfte des Weges bei 28 angekommen war, stellte sich das Mitzählen als demotivierend heraus, weil wir immer schon glaubten: „hey jetzt haben wir es gleich geschafft“ und dann kamen noch weitere Kehren. Nach 3 Stunden Aufstieg kamen wir aber in den vollen Genuss der geschafften Höhenmeter und blickten auf den Jangtse hinunter.

Kehre Nummer….39? Oder doch erst 15??

Nach einer kurzen Mittags-Rast im „Tee-Horse-Guesthouse“, wo ich ein köstliches Naxi-Sandwiche aß (die Naxi sind eine chinesische Minderheit, die im Süden Chinas zu Hause sind) und wir Kraft für das nächste Stück tankten. Der weitere Weg entpuppte sich als weniger beschwerlich und vor allem wunderschön-kitschig! Stets konnte man auf die weißen Schneeberge gegenüber sehen, sowie runter in die Schlucht blicken. Außerdem bietet der Trail eine Vielzahl an lauschigen Rastplätzen.

Nach insgesamt 5 Stunden wandern erreichten wir unsere Unterkunft für die Nacht. Das Come Inn Guesthouse, auf halben Wege zur Tigersprungschlucht erfrischte uns mit einem köstlichen Abendessen und regionalem Bier. (Wobei wir, geblendet von dem Schild „Happy Hour“, erst nach dem 2. oder 3. Bier erfuhren, dass „Happy Hour“ nur für ein bestimmtes Bier galt, wieder Mal typisch chinesisch)

Das Come Inn Guesthouse – unsere Unterkunft aus der Drohnen-Perspektive.
Unser Ausblick auf den Jade-Dragon-Snow Mountain beim Aufwachen.

Der zweite Wandertag war hauptsächlich ein Abstieg Richtung Schlucht, mit einer wunderschönen Kulisse, ein paar Ziegen und Wasserfällen. Bis wir dann ganz unten beim reißenden Fluss waren, dem Jangtse, dauerte es 2,5 Stunden (wir überholten alle anderen, die einzigen die uns überholten waren unsere Nachbarn aus der Schweiz) und wir hatten noch etwas Zeit bis unser Bus zurück nach Lijiang fuhr und so erkundeten wir alle Ecken und Enden der sagenumwobenen Tigersprungschlucht.

Ein weiteres Mal (u.a. nach ewig langen Liften, Sandstürmen und auslaufenden Visas) lotete Maria ihre Grenzen aus, denn am Weg zur Schlucht gab es die berüchtigte Sky Ladder, eine Leiter die, wie es der Name erahnen lässt, sich ewig dem Felsen empor streckt. Zum Glück oder auch nicht gab es auch eine Alternativroute und so stieg das Mädl, auch wenn sie eigentlich fast 2/3 geschafft hatte und es somit kürzer zum oberen Ende gewesen wäre (aber das glaubte sie mir nicht), wieder zurück. Ja, auch solchen Beziehungsproben stellt man sich auf einer Weltreise.

Shanghai

Shanghais Skyline – der Bund

Das Prozedere am Shanghaier Flughafen ging erstaunlich unkompliziert – innerhalb von 45 min hatten wir unser Gepäck, waren in der U-Bahn und schon im French District bei meinem ehemaligen Studienkollegen, Lieblings-Wiener und Expat in Shanghai (Expat = jemand, der vorübergehend an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird), Fabian angelangt. Shanghai war echt die erste Stadt Chinas die einen hippen, fast westlichen, Eindruck machte. Es war richtig schön, wieder mal ein bekanntes Gesicht zu sehen und dann noch dazu so ein vertrautes, das man eh schon viel zu lange nicht mehr gesehen hat. Bereits seit über einem Jahr war Fabian nun beruflich in China und strahlte bei der Begrüßung eine angenehme Vertraut- und Gelassenheit aus, die vielleicht auch durch sein Auftreten in Leinenhemd und -hose verstärkt wurde.

In Russland, der Mongolei und China hatten wir einen erhöhten Dumpling-Konsum. Hier probierten wir wieder einmal „die besten Dumplings“ der Stadt – und sie waren wirklich köstlich!

Jedenfalls hatten wir uns für unseren Shanghai Aufenthalt in Fabians Wohnung einquartiert, die wir gleich mal bezogen – er zog sogar für uns über die Tage zu einem Shanghaier Freund und überließ uns diese komplett für die Tage (DANKE). In der Wohnung lernten wir gleich mal seine AI kennen – ausgesprochen „A“ „I“ bedeutet das so viel wie „Tante“ und so werden alle Frauen genannt, die älter sind als man selber. Diese AI’s kümmern sich außerdem um den Haushalt – praktisch.

Ein bisschen verstört hat es den Fabian aber doch immer wieder, wenn wir das Wort „Römpön“ verwendeten. Für uns war das völlig normal da wir bereits seit Wochen die Währung – den Chinesischen Yuan/Renminbi – als „Röm-pön – bezeichneten. Klar, kam es uns anfangs auch komisch vor, warum es auf Österreichisch „Römpön“ heißt, akzeptierten und verwendeten den Begriff von nun an selbstsicher. Wir mussten also bis nach Shanghai reisen, um aufgeklärt zu werden, das dieser Begriff nicht österreichweit, sondern nur von einem kleinen Mitarbeiterstamm der Industrieofenbaufirma Ebner verwendet wird ; ) oder kennt ihr das Wort Römpön?

da, dam, dam-dam; da, dam, damdam….

Wer hats erkannt? In Shanghai scheint sich vieles um das Thema heiraten zu drehen:

So rannten wir im Einkaufszentrum gleich mal in eine Braut-Duftpromotion, wobei die Promotoren wahrscheinlich die größte Freude damit hatten, dass sich zwei Weiße in deren aufgebautes Set-up gesetzt hatten und so bekam Maria kurzerhand einen Ring geschenkt. (Anm.: Vom Promo-Team, nicht vom Martin, auch wenn er ihn ausgesucht hat – nicht das da gleich falsche Gerüchte entstehen!) Zahlreiche Fotos sind dabei auf alle Fälle entstanden.

Weiters trafen wir immer wieder auf aufgetackelte Pärchen, die sich in Szene setzten und fotografieren ließen – vor allem vor der Shanghaier Skyline, dem Bund. Und nein, das ist nicht EIN Pärchen, das wir zusammen-gefotoshopt haben, das sind ganz wirklich 4 Brautpaare und da waren sogar noch mehr!


Dass dieses Thema alle Generationen Shanghais betraf, merkten wir, als wir vom „Heiratsmarkt“ erfuhren, der JEDES WOCHENENDE von früh morgens bis spät abends am People’s Square abgehalten wird. Falls ihr euch genau so wie wir jetzt fragt, warum es hier einen Heiratsmarkt gibt und was das genau ist; wir haben es uns erklären lassen und wie folgt verstanden: In China schickt es sich mit spätestens 28 Jahren verheiratet zu sein (je früher desto besser!) um zu zeigen, dass man sein Leben im Griff hat. Sollten die Kinder, wegen langer Arbeitszeiten oder aus anderen Gründen, dies nicht selbst auf die Reihe bringen, ist es quasi die Pflicht der Eltern sich darum zu kümmern, sonst besudelt dies wiederum deren Familienehre. Daher treffen sich Eltern mit Steckbriefen ihrer unverheirateten Kinder im Gepäck, am Wochenende im Park, um andere Eltern zu treffen denen es ebenso geht. Zu Beginn, dachten wir, wir würden es nicht finden und es würde sich wohl nur um eine kleine Gruppe handeln, bis wir bemerkten, dass dies – wie alles in China – ein riesen Ding ist.

Geburtsdatum, Alter, Gewicht… alles was man über den/die Zukünftige/n so wissen muss!

So ein Steckbrief beinhaltet übrigens, Alter, Gewicht, die genaue Größe, den Beruf und sicher noch einige intime Details, die uns aufgrund der fehlenden chinesisch-Sprachkenntnisse, verborgen blieben.

Fabian wohnte im French District, einem der schönsten und westlichsten Vierteln Shanghais. Man könnte fast vergessen, dass man in Asien ist: lang gezogene Alleen, alles sehr ruhig und verkehrsberuhigt, tolle internationale Restaurants… kurz: hier lässt’s sich gut aushalten und so genossen wir unsere Zeit dort so richtig. Wir schlenderten herum, saßen in gemütlichen Cafès oder beim Italiener auf ein Glas Chianti und aßen zum Abendessen auch einmal Schnitzerl im bayrischen Biergarten, gemeinsam mit anderen Expats und deren Besuch aus Europa/Deutschland. Wir gingen an zwei von vier Abenden bis in die Morgenstunden fort, fanden heraus, dass der McDonalds in Linz ein besseres Hangover-Angebot hat, als der in Shanghai und irgendwann, entweder spät in der Nacht oder ganz früh am Morgen ereilte uns dann eine Botschaft aus der Heimat…

Late Night News aus der Bananenrepublik Österreich

IBIZA Gate. Auch wenn wir vor dem Schlafen gehen noch kurz 2 Zeilen zugespielt bekommen haben, so richtig mitbekommen haben wir es erst am nächsten Tag. Videofetzen wurden in allen möglichen Nachrichten und Social Media Kanälen publiziert, in welchen unser damaliger Vizekanzler Staatsaufträge an eine russischen Oligarchin vergeben würde, wenn diese ihm u.a. durch den Kauf der Reichweiten stärksten Österreichischen Tageszeitung, im Wahlkampf unterstützen würde – und das alles bei Vodka-Bull im Tanktop auf Ibiza. Na bumsti.

Ich weiß nicht genau, wie es unseren Freunden zu Hause in Österreich damit gegangen ist, aber wir waren gespannt, wie auf die letzte Staffel Game of Thrones oder den letzten Harry Potter Band. Unsere weitere Tagesplanung gestaltete sich also nach den angesetzten Pressekonferenzen und Stellungnahmen, denn je weiter man von Zuhause weg ist, desto spannender ist es, wenn im kleinen Staat Österreich mal was passiert. Irgendwann lösten wir uns also vom treuen WIFI in der Wohnung und fuhren in die Wasserstadt Shanghais, nur um dort 3 Stunden im Cafè zu sitzen und die Rücktrittsrede des Ex-Vize Kanzlers am Smartphone zu streamen. (Die Wasserstadt, war wieder eine weitere traditionell gehaltene inszenierte chinesische Altstadt, die wir auch schon in Peking und Lijiang ausreichend bewundern konnten, also hatten wir wenig verpasst).

Österreichische Innenpolitik – mitten in Shanghai. Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Cafè mit gutem WIFI und köstlichen Shakes.

Weiter ging’s dann am Abend mit weiterem in Shanghai lebenden Europäern zum Japaner essen, wo wir auch auf Severin (Cousin von Marias Cousins/Cousine oder, Zitat Maria: „der Neffe meiner angeheirateten Tante, also halt der Neffe meines Onkels nachdem der Onkel geheiratet hat“*) und dessen Besuch Laura trafen. Und schon waren wir sechs Österreicher mitten in Shanghai, die irgendwie nur ein Thema vor Augen hatten (und glücklicherweise politisch auch sehr ähnlich gesinnt). Der Abend nahm also seinen weiteren Lauf, bis wir uns um halb 2 Uhr nachts vor einer Cocktailbar befanden um das Statement unseres Ex-Bundeskanzlers zu dieser Affäre zu verfolgen. Da musste sogar Alessandro (Expat aus Italien) verwundert seinen Kopf schütteln, warum sechs Österreicher und ein paar interessierte Deutsche um diese Uhrzeit, wenn man eigentlich feiern sollte, gespannt in ein Smartphone blickten.

*Für weitere Auskünfte kontaktieren Sie bitte Michael und Wilbirg Binder. Nähere Angaben zur Binder-Dynastie (inkl. Stammbaum) gibts bei Irmgard und Gerhard Binder. ❤

Den letzten Abend im Reich der Mitte genossen wir in der Bar Rouge Rooftop Bar. Die Bar in die man sonntags geht, wenn man in Shanghai lebt. Hier der Ausblick:

Und somit verließen wir, nach 3,5 Wochen wieder das Land, dass wir anfangs sehr befremdlich fanden, immer wieder positiv wie negativ überrascht wurden und uns nirgendwo anders so als Ausländer gefühlt hatten. Eine Erfahrung die wir nicht missen wollen. Auch wenn es viele Chinesen anders sehen – Hongkong unterscheidet sich in einigen Maßstäben zu Mainland China, aber dazu später…

MAGEMA TIPPS CHINA

  • für die Tigersprungschlucht unbedingt eine Mehrtageswanderung einplanen. Blogs schreiben, es geht auch in einem Tag, aber es ist so angenehm ruhig und schön dort.
  • Cooking Class in Chengdu – unsere (Chili Cool China) können wir besonders empfehlen da es sich um ein ein Start-up von jungen Burschen handelt, die sich ein Lokal gekauft haben und da jetzt verschiedene Aktivitäten anbieten – und die sind wirklich mit Herzblut dabei!
  • Finger weg von Durian und sagt nicht, wir haben euch nicht gewarnt!
  • Beste Aussicht auf den Bund hatten wir von der Bar Rouge (Bilder oben)
  • Folgende Themen sind interessant anzusprechen, jedoch darf man sich nicht zu detaillierte oder wahrheitsgetreue Antworten erwarten. Einfach mal googlen: Vertreibung der Uguren, Zhima Credit, Zugehörigkeit Taiwans oder Hongkongs zu China

One Comment

  1. Tatjana Pachinger

    Wieder ein sehr spannender und interessanter Bericht! Sooo mutig unsere Maria!!
    Ich drucke alles aus und habe schon einen Satz Tinte verbraucht, das wird ein dicker Ordner! Danke für die vielen schönen Fotos! Alles Liebe Tanja

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