Kambodscha

Alles Roger in Kambodscha?

Irgendjemand mal irgendwann.
Welcome to Cambodia!

Unsere Mekong Delta Tour (siehe Vietnam-Beitrag) endete also mit einer Speedboat-Überfahrt nach Kambodscha. Die Grenze überquerten wir am Fluss, was wiedermal eine Premiere war, nachdem wir bereits per Flugzeug, Auto und Zug in neue Länder einreisten. Direkt an der Grenze konnten wir unsere restlichen vietnamesischen Dong noch in Dollar umwechseln – und nein, keine kambodschanischen Dollar sondern ganz echte US-Dollar! Wir fanden das extrem cool, vor allem ich – liegt vielleicht daran, dass ich noch nie in den USA war… – jetzt war das umrechnen zum Euro nicht mehr so kompliziert. Dafür waren aber die Millionen vorerst wieder weg. Welcome to Cambodia!!

Money, money, money…

Phnom Penh – oder Karaoke auf asiatisch

Unsere Endstation per Boot war dann schließlich Phnom Penh, Kambodschas Hauptstadt, von der ich vor unserer Ankunft noch überhaupt nie etwas gehört habe. Eingecheckt in unser Hostel mit Pool und sehr gutem Restaurant, machten wir gleich mal die Nacht zum Tag: Nach Passionfruit-Mojitos vor dem Abendessen, wahnsinnig gutem Dinner auf einer Dachterrasse mit toller Aussicht auf die abendliche Kulisse der Stadt und als Draufgabe noch einer Hidden-Cocktailbar, in die man durch einen Cola-Automaten eintritt, machten wir uns auf die Suche nach einer Karaoke-Bar, die wir dann auch ziemlich schnell fanden.

Karaokesingen in Phnom Penh war übrigens auch unsere Challenge für dieses Land. Wir bekamen ja von Martins Studienkollegen (Danke an Vicky, Bene, Fabian & Andi) für jedes Land eine andere Challenge gestellt – nach den unzähligen Intercultural Management Kursen an der FH Steyr, ging’s nun also ans Eingemachte.

Auf den ersten Blick kamen wir uns jedoch nicht vor wie in einer Karaoke-Bar, sondern eher wie in einem ganz anderen Etablissement: gleich vier bildhübsche, uns umwerbende, junge Frauen in roten Kostümchen öffneten uns die Türe und beim Empfang stand eine weitere Dame, die uns fragend anlächelte. Kurz dachten wir, wir seien irgendwo falsch gelandet und fragten vorsichtig und wiederholt nach dem Karaoke, woraufhin wir einen Stock höher in ein eigenes Zimmer mit Fernseher, Plüschcouch, Tischchen, 2 Mikrofonen und Liederbüchern geleitet wurden. Tja, das ist anscheinend Karaoke, wie es in Asien abläuft. Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir damit, uns die Seele aus dem Leib zu singen, nur wir drei mit 2 Mitarbeiterinnen, die uns die Lieder einstellten, höflicherweise nur selten bei nicht getroffenen Tönen die Mine verzogen und uns auf Bestellung neue Getränke brachten. Von „My Heart will go on“, über „Total Eclipse of the Heart“ und „The Boxer“ bis hin zu „Can you feel the Love tonight“ gab’s alle Klassiker, die das Karaoke-Herz begehrt. So gab es Non-Stop Karaoke für uns und am nächsten Tag kratzigere Stimmen als die Strickpullies der Ur-Großmutter.

Ob von der wilden Party-Nacht, vom Essen oder was auch immer, ich war die nächsten Tage in Phnom Penh etwas ausgeknockt. Die zwei Männer machten sich dann auf eigene Faust auf den Weg und erkundeten die Hauptstadt Kambodschas, gaben ein paar Karten und Packerl bei der Post auf und cruisten mit Tuk-Tuks durch die Straßen.

Do you wanna tuk-tuk?

In Kambodscha machten wir unsere erste Bekanntschaft mit dem Tuk-tuk. Dass diese Tuk-Tuks in Asien sehr beliebt sind war uns bewusst, jedoch hätten wir uns zuvor in keinster Weise erträumen mögen, wie praktisch dieses Fortbewegungsmittel sein kann – wir haben sie jedenfalls unglaublich lieb gewonnen. Die Tuk-Tuk-Fahrer warten an jeder Ecke (nicht selten einfach in deren, im Tuk-Tuk aufgespannten, Hängematte) und sind somit in der Innenstadt omnipräsent und schnell zur Stelle. Sie bieten perfekt Platz für uns 3 inkl unserer 3 Rucksäcke, schl/dr-ängeln sich durch jeglichen Großstadtverkehr und sind noch dazu preiswert. Egal ob Asphalt, Gehsteig oder Schotterstraße, sind sie für jedes Terrain geeignet, quasi die motorisierten Lasten-Gravelbikes Asiens.

Natürlich stellten wir zwei Männer allerhand mehr an, als nur Postgeschäfte zu erledigen, als Maria im Zimmer blieb und das Bett hütete. Wir zogen durch die Straßen, erkundeten die dunkelsten Gassen und hoben hoch die Tassen (die Straßen waren wirklich dunkel, da unserem Viertel ein Stromausfall war – die Tassen waren Biergläser, die reimen sich aber nicht). Zudem gingen wir ins Museum:

Eine traurige Geschichte

Es war jedoch leider nicht immer alles roger in Kambodscha. Im selben Monat als im Nachbarland Vietnam, der Krieg endete, kamen die Roten Khmer in Kambodscha an die Macht, die unter allen Umständen das Land zu einem Agrarstaat zurückführen wollten. Wir besuchten das Gefängnis S-21, welche die Hochburg, des Massenmordes darstellte und heute in eine Gedenkstätte bzw ein Museum umgewandelt wurde. In den weniger als 4 Jahren der Schreckensherrschaft wurden, geschätzt mehr als 1,7 Mio Menschen getötet, darunter angebliche politische Gegner, genauso wie Intellektuelle, sowie jeder der sich den irrwitzigen Regeln widersetzte (u.a. Vertreibung aller Stadtbewohner aufs Land und deren Isolierung, Verbot von persönlicher Anrede wie „Mama“, „Papa“ zulässig war nur noch „Kamerad“, Zerstörung aller technischen Geräte mit Ausnahme von militärisch nutzbaren Geräten, auch medizinische Geräte wurden vernichtet).

Es liegt auch in unserer Verantwortung, diese Geschichte weiterzuerzählen, dass so etwas nie wieder passieren kann.

einst Schule, dann Foltergefängnis S-21, heute Museum und Gedenkstätte

Kampong Cham

Nach der Hauptstadt ging’s raus aufs Land, nach Kampong Cham, in ein Bungalow, welches von einer NGO (Non Profit Organisation) geführt wird und eine schulische Grundausbildung für die Kinder des Dorfes ermöglicht. Als wir ankamen – natürlich in einem Tuk-Tuk – sahen wir, dass sich neben dem OBT Homestay Chiro (so nennt sich diese Unterkunft) bereits eine weitere Holzhütte im Aufbau befand, da die Schule gerade durch die Nächtigungs-Einkünfte des letzten Jahres, um ein weiteres Klassenzimmer sowie eine Bibliothek erweitert wird. Als wir die kommenden Tage durch das Dorf spazierten und wir mit Einheimischen in ein, wenn auch nur kurzes, Gespräch kamen, erfuhren wir auch aus erster Hand, dass diese Initiative von den Einheimischen, sehr positiv honoriert und gut angenommen wird.

Die Volonteers/Freiwilligen Mitarbeiter aus Frankreich begrüßten uns hingegen gleich mit einer eher unschönen Botschaft: in ganz Kambodscha gibt es gerade erhöhtes Vorkommen des Dengue-Fiebers. Das von infizierten Mücken weitergegebene Virus verbreitet sich rasend schnell und auch im OBT Homestay hat es schon ein paar Fälle gegeben, wenn auch nicht in den Bungalows in welchen wir untergebracht wurden. Dem folgte der Hinweis, uns unter Tags langärmelig zu kleiden und freie Hautstellen zu verdecken – und das bei 35°C und einer Schwüle, dass d’Hälfte a g’reicht hätt‘. Nachdem es mir gesundheitlich immer noch nicht 100% gut ging, packte ich mich in langes Gewand ein und sprühte mich von oben bis unten (Anm Martin: und dann nochmals von unten nach oben und das Ganze wiederholte sie min. 3x) auch wieder mit No-Bite ein, um dem Dengue-Fieber zu entgehen.

Die Tage in unserem Bungalow waren gemütlich: lesen, schreiben, zeichnen und zum Strand spazieren, wobei man im nahegelegenen Mekong River lieber nicht baden wollte, standen am Programm. Das hauseigene Restaurant (ein Ausbildungsbetrieb) bzw das Aufenthaltsareal bot nicht nur frisch gekochtes und gutes Essen, sondern hatte auch einen hauseigenen Hund, der uns gleich in sein Herz schloss und von Georg kurzerhand auf Oskar getauft wurde und uns bei unseren Strandspaziergängen beschützte (wobei wir uns nicht sicher sind ob es nicht doch eine Frau Oskar war).

Ich würde sagen, dass wir in dieser Bungalow-Unterkunft das erste Mal „so richtig“ mit dem einfachen, asiatischen Landleben konfrontiert wurden. Keine Klima-Anlage, „nur“ einen Ventilator beim Schlafen, Käfer und Spinnen, die im Bad, auf den Holzbalken und am Mückennetz auf einen warteten und typisch-ursprüngliche asiatische Kost, ohne auf europäisches Essen hinflüchten zu können. Kurz: hier kam man mal richtig runter.

Einfach aber fein: unser Bungalow.

Da sich Maria noch etwas ausruhen wollte, machten die Männer einen längeren Spaziergang durch die Dörfer bis hinein in die Stadt. Was echt auffiel: die einfachen Verhältnisse. Die Kinder spielen miteinander auf der Straße, die Schaukel ist ein alter Autoreifen und kaum eine Wohnung besteht als mehr als 2 Räumen. Die Hütten, oftmals ein einfacher Blechverschlag, stehen alle auf Stelzen, um nicht vom austretenden Mekong weggespült zu werden und bieten dadurch auch Platz und Schatten, der gerne und gut für Hängematten genutzt wird.

Ein Highlight während unseres Aufenthaltes in Kampong Cham war mit Sicherheit die Ausräucherung der Mücken. Das ganze Dorf war auf den Beinen und verfolgte den Pick-up, der riesige Rauchwolken versprühte und quer durch die gesamte OTB-Anlage fuhr. Ob die Kinder es einfach lustig fanden, dass die Schule, das Restaurant und alle Bungalows voll mit weißem Rauch waren oder ob sie sich genau so wie wir freuten, dass die Mücken weg sein werden – keine Ahnung, aber das Spektakel war auf jeden Fall Aufsehen erregend.

Kambodschanischer Freudentanz

Als dritte und letzte Station in Kambodscha ging’s für uns in die wohl bekannteste Stadt des Landes, Siem Reap – und wenn euch der Name jetzt nix sagt: dies ist die Stadt von der aus man sich die vielen Tempel, wie Angkor Wat oder den „Tombraider“-Tempel erkunden kann.

Abholung per Tuk-Tuk vom Eco-Bungalow zum Bus nach Siem Reap.

Siem Reap

Aufgrund von Georgs Geburtstag (und weil die Unterkünfte in Kambodscha an sich nicht sehr teuer sind) gönnten wir uns hier wiedermal ein Hotel mit Pool im Innenhof – was bei der Hitze und Schwüle ja wirklich nötig ist! – Welcome to Geburtstagsvilla numero due!

Georgs Geburtstag startete mit einem ausführlichen Frühstück, inkl. personalisiertem Geburtstagskuchen und einem Ständchen des gesamten Teams der Bäckerei. Den restlichen Tag verbrachten wir gemütlich am Pool und am Abend ging es auf Wunsch des Geburtstagskindes zum Mexikaner Abendessen und danach in einen Akrobaten-Zirkus, der wirklich beindruckend war! In einer einfachen Love-Story verpackt, die man auch ohne der Englischen Untertitel verstanden hätte, weil der Ausdruck und die Emotionen für sich sprachen, lieferten sich die Akrobaten 1 Stunde lang volles Programm. Auf der kleinen, runden Bühne, die Platz für die Live-Band, Akrobaten und eine Bar-Kulisse bot, wusste man gar nicht, wo man zuerst hinsehen sollte, so beeindruckend waren die kleinen und großen Stunts.

Nach dem Zirkus ging es noch auf einen Absacker in die Pub-Street, die – wie der Name schon sagt – voll mit Pubs, Lokalen und Diskos war.

Es folgte, das Geburtstagsgeschenk. Da uns einer der berühmtesten Tempel der Welt in unmittelbarer Nähe zur Verfügung stand, hatten die Schenker leichtes Spiel… wir organisierten bzw buchten eine Tagestour in die Angkor Tempel und zwar in Begleitung und mit der Führung eines preisgekrönten Tourguides.

Zeit der Aufnahme: 5 Uhr 36 – jedoch gefühlt wie 3 Uhr 36

Früh morgens starteten wir, genauer gesagt war sogar noch ein Vierer an erster Stelle, wir wollten ja auch die Ersten sein. Und das waren wir auch, über das unbekanntere Westtor gelangten wir in die Anlage und da spielte schon unser Tourguide seinen zweiten Joker aus: er stellte sich für die Stiege der Könige gleich mal für uns an, während wir noch den Tempel weiter erkunden konnten und dann zum Sonnenaufgang tatsächlich die Ersten waren, die auf die Spitze durften. Das brachte schon eine sehr mystische Stimmung mit sich, auch wenn es die Sonne erst später am Tag zur Gänze durch die Wolkendecke schaffte.

Es folgte der Tomb Raider Tempel, der aufgrund seiner Verwildertheit mehrmals von Angelina Jolie als Filmkulisse genutzt wurde.

Wir betraten noch eine Handvoll weiterer Tempel, jeder einzigartig für sich, bis wir schließlich auch das Herzstück der Anlage, Angkor Thom, besuchten. Hier war es nicht mehr möglich die Touristenmassen zu umgehen, hier flankierten wir diese mit voller Stärke. Unser Tourguide, der aufgrund seiner zahlreichen Auszeichnungen auch schon etwas zur Diva geworden ist, zeigte und erzählte uns zuerst noch allerhand Geschichten zu den Steingravuren am Fuße des Tempels. Als wir uns dann aber im Inneren des Tempels nurmehr durch posierende Chinesenmaßen boxen konnten, war er sowie auch wir mit unserem Tempel Enthusiasmus am Ende und die Tour fand somit auch ihr rasches Ende.

Was passierte sonst noch so? Martin bekam für umgerechnet drei Euro fünfzig eine halbstündige Thaimassage inkl vollstem Körpereinsatz des Masseurs, während Maria sich ihre Füße von Fischlein beknabbern ließ. Dass sich Martin die folgenden Tage, wie ausserhalb seines Körpers fühlte, kann also entweder seiner ersten offiziellen Yoga Klasse im Siam Reaper Yogastudio zugeschrieben werden, oder dieser einDRUCKsvollen Thai Massage.

MAGEMA Tipps Kambodscha:

  • in Kambodscha auch unbedingt „aufs Land“ raus fahren um ein bisschen mehr über das Leben der Einwohner zu erfahren
  • eine Tour durch Angkor Wat so früh wie möglich beginnen um bereits am frühen Nachmittag mit den Haupttempeln fertig zu sein, so entgeht man den meisten anderen Touris
  • erkundigt euch in euren Unterkünften, ob es bereits Fälle von Dengue-Fieber gegeben hat – viele Hostel-Betreiber würden es nicht von selbst ansprechen

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