Neuseeland, die Südinsel

Mit der Fähre ging es für uns (inkl unserem Campervan) nach 19 Tagen auf der Nordinsel Neuseelands weiter nach Picton, einer doch sehr kleinen Hafenstadt der Südinsel, wo ohne die Fährenverbindung sich wahrscheinlich Wolf und Hase gute Wacht sagen würden. Wenn wir im Vorhinein mit Leuten über Neuseeland und unsere Pläne und Vorstellungen gesprochen haben war die Botschaft immer die eine: plant mehr Zeit für die Südinsel ein, die ist nochmals ein ganzes Stück schöner und man kann viel mehr machen. Nachdem wir wetterbedingt den einen oder anderen Tag für unser „Wunschprogramm“ abwarten mussten, sind wir doch länger im Norden geblieben als geplant und hatten nun noch knappe vier Wochen für den vielangepriesenen Süden. Ich will nicht sagen, dass vier Wochen zu kurz sind, weil sich die wichtigsten Spots und ein paar Wanderungen auf jeden Fall ausgehen. Deshalb möchte ich es so formulieren: Ist man in einem Campervan unterwegs und irrsinnig neugierig, kann man bestimmt mehrere Monate damit verbringen, Neuseeland zu erkunden (Egal ob die Nord- oder Südinsel). 😉

Nelson

Von der Fähre fuhren wir an einer malerischen Küstenstraße entlang Richtung Nelson, wo wir die erste Nacht verbringen wollten. Bereits auf dieser kurvigen Straße merkte man, dass die Südinsel landschaftstechnisch auf jeden Fall einiges zu bieten hat – vielleicht sogar wirklich mehr als der Norden.

Nach knapp 2 Stunden kurvigem bergauf Fahrens mit unserem Campervan passierte etwas, das ich gerne als den „Binder’schen-Auto-Fluch“ bezeichne. Lasst mich das vielleicht kurz erklären: es gab eine Zeit, in der meine Familie immer das Pech hatte im Urlaub eine Auto-Panne zu erleiden. So sahen wir von Kroatien über Italien bis nach Korsika schon ein paar Autowerkstätten von innen. Als ich dann mit Martin das erste Mal Sommerurlaub in Frankreich verbrachte und wir mit dem Auto unterwegs waren ging uns die Klima-Anlage ein und von unseren Problemen in Island möchte ich garnicht erst anfangen (Anm. Martin: Egal ob Wegspülung des Nummerntaferls, Reifenplatzer oder Rückwärts-Ausparkerei, ein jedes dieser Wehwehchen war dabei). Darum glaub ich ja, dass dieser „Fluch“ auf mir lastet. Als wir also an der neuseeländischen Küsten entlang fuhren leuchtete auf einmal das Batterie-Lämpchen auf. Würde ich wiedermal eine Werkstätte in einem fremden Land aufsuchen müssen? Nachdem die Jungs einen fachmännischen Blick unter die Motorhaube geworfen hatten, diese weder einen Blick zurückwarf noch sich die Leistung des Autos änderte, beschlossen wir zu unserem Zielort weiterzufahren und dort eine Werkstätte aufzusuchen. Nun kam dazu, dass es Samstag Mittag war – und hier sind sich die Österreicher und die Neuseeländer einig: „ob Samståg Mittog is zua – do muast bis Montåg woatn“. Auch unser Campervan-Verleiher konnte nicht mehr tun und so schonten wir unser Gefährt so gut wie es ging, redeten ihm gut zu und siehe da: das Lichterl verschwand wieder und wir hatten das restliche Monat kein Problem mehr mit dem Wagen. 

Abel Tasman Nationalpark

Der Abel Tasman Track gehört zu den „Great-Walks“ Neuseelands, denen eine besonders schöne Umgebung zugeschrieben wird, vom urigen Dschungel über Schluchten mit Gletscher-farbenem Wasser bis hin zu Aussichten auf schneebedeckte Berge und auf die Weiten des Meeres. Ob eine 1-Tageswanderung oder eine 3- bis 5-Tageswanderung, Neuseeland bietet mit seinen Great Walks Wanderern in allen Fitnesslevels die Möglichkeit neue Wege zu erkunden.

Für den kompletten Abel Tasman Track soll man laut Tourismusbüro drei bis fünf Tage einplanen. Da der Wanderweg an der Küste entlang führt, gibt es immer wieder Buchten in denen Wassertaxis anhalten, man kann sich also auch nur einen bestimmten Teil des Tracks aussuchen und diesen zurücklegen, oder man geht nur zwei Tage – so wie wir – und fährt dann in der Mitte des Weges wieder retour. Das Wassertaxi muss man vorab reservieren und den Campingplatz im Nationalpark auch. Gecampt werden darf nämlich nur an bestimmten stellen und auch nur dann, wenn man eine Reservierung hat.

Damit wir vor unserer bevorstehenden 8-Tageswanderung in Patagonien/Südamerika, einmal mit Sack und Pack (also mit dem großen Rucksack, Schlafsack, Isomatte, Zelt und Verpflegung) zumindest zwei Tage hintereinander wandern waren, fassten wir die ersten 32 km des Tracks ins Auge. Mit ausgeborgtem Zelt, Schlafsäcken und Isomatten legten wir am ersten Tag die geplanten 23 Kilometer zurück. Der Weg führte zunächst durch den Wald mit leichter Steigung und schon bald ging es gemütlich und mit großartigem Ausblick der Küste entlang. Unsere Mittagspause genossen wir bei „Kleopatras Pool“, einem Fluss, mit riesigen Steinen zum verweilen und abkühlen. Der einzige der sich dann wirklich etwas abkühlte war Martin, und nachdem sich während unserer Pause schon dicke Wolken über unseren Köpfen auftaten, schauten wir, dass wir rasch weiterkamen. Keine 100 m gegangen mussten wir unsere Ausrüstung schon auf Wetterfestigkeit testen: es regnete wie aus kübeln. Mit Regenhose und -jacke ausgestattet wanderten wir weiter, der Regenguss sollte aber nicht all zu lange andauern.

Auf diesem Weg machten wir auch das erste Mal Bekanntschaft mit einem „Waka“. Das unscheue Vogeltier ist in Neuseeland gut verbreitet und nicht unbedingt beliebt: vom Aussehen her ähnelt es am ehesten einer Mischung aus einem Huhn (die zuckenden, wachsamen Augen), einer Gans (der lange Hals) und einem Dinosaurier (die geschuppten Füße). Zuerst fanden wir das Tier ja noch recht spannend, aber schon bald kamen wir uns verfolgt vor; immer wider tauchte der Waka (wir sind überzeugt, dass es immer derselbe war…) auf und stand plötzlich hinter uns, neben uns oder gaaanz nahe an unserem Rucksack. Die Lebensaufgabe der Wakas ist es nämlich so viel Futter wie möglich von uns zu klauen, man muss also ordentlich auf seine Jause und seine Snacks aufpassen, sonst sind sie auf einmal weg.

Das Wetter wurde zum Abend hin noch einmal schöner und so hatten wir eine traumhafte Abendstimmung auf unserem Campingplatz und wir wuschen uns den Schweiß des Tages im erfrischend kalten Meer ab. Bei Lagerfeuer und einer kalten Jause – um uns für diese Wanderung das mitschleppen eines Campingofens zu ersparen – saßen wir noch gemütlich beisammen und ließen Mond und Sterne über unseren Köpfen und dem Horizont des Meeres aufgehen.


Der zweite Wandertag leitete uns wieder an der Küsten entlang durch den Dschungel und schon bald über lange, hohe Hängebrücken. Nachdem wir immer mit 13 km für Tag 2 gerechnet hatten, überraschte es uns sehr, als wir nach 8 km und deutlich früher als erwartet schon an den Strand zu unserer Wassertaxi-Haltestelle gelotst wurden. Aber, es gibt Schlimmeres und die gewonnene Zeit nutzten wir, um im Strandrestaurant gleich mal eine Runde großen Cider zu bestellen, die wir schon sehr feierten, weil er geschmacklich mehr an den Most von z’Hause erinnerte. Gut genährt ging es dann am späten Nachmittag per Wassertaxi zurück ins Dorf.

Frühstücksplatzerl mit Blick auf die südlichen Alpen

Im Stockdunkeln erreichten wir unseren auserkorenen gratis Stellplatz, wo wir mit ach und krach noch einen Platz für unseren Van erhaschten und erst am morgen darauf sahen wir, wie schön es rundum den Parkplatz eigentlich war. Martin nutzte den Morgen für einen Drohnenrundflug und wir frühstückten mit Blick auf die südlichen Alpen.

Das schöne an Neuseeland ist ja, – vor allem wenn man schon eine längere Weile unterwegs ist – dass manche Plätze aussehen wie daheim in Österreich. So war es auch am Lake Rotoroa, wo wir am folgenden Tag einen Abstecher hin machten. Mit dem Blick auf die schneebedeckten Berge und dem klaren, bestimmt klirr-kalten Wasser, fühlte man sich fast wie am Altausseer See, mit Blick auf den Dachstein.

Westport

Weiter ging’s nach Westport, wo sich Martin ein Rad ausborgen sollte um am Folgetag für zwei Tage die Mountainbikestrecke der „Old Ghost Road“ zu bezwingen.

Westport liegt an Neuseelands Westküste und ist vor allem bekannt für seine wunderschönen Klippen, einen gemütlichen Weg entlang der Küste und einer Seehundkolonie die dort lebt. Wir waren natürlich wieder sehr erkundungsfreudig und so spazierten wir einen steilen Weg zum Meer hinunter, direkt am Strand – entlang bis Georg abrupt stehen blieb. Sein Gesichtsausdruck war sehr überrascht und als Martin und ich näher kamen wussten wir auch warum: keine fünf Meter vor uns lag ein ausgewachsener Seehund. Er schaute auf, öffnete seinen Mund und ließ eine Art fauchen von sich. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: einem Seehund soll man sich max. auf 20 Meter nähern. Aufgrund dieses Nichtwissens waren wir (und vor allem ich) sehr gut gelaunt, das Tier in freier Wildbahn zu sehen, wir fotografiert und filmten und spazierten irgendwann gemütlich vorbei. Wir sahen noch zwei weitere Seehunde, die gemütlich und windgeschützt auf den riesigen Steinen neben dem rauen Meer in der Sonne chillten. Nach diesem Natur-Erlebnis war die Seehundkolonie die wir danach bei der offiziellen Seehund-Beobachter-Stelle sahen (auf einer erhöhten Plattform per Zaun abgegrenzt) nicht mehr sehr aufregend.

Am nächsten Tag fuhren wir mit unserem Van wieder eine Stunde Richtung Norden, um Martin beim Start der Old Ghostroad aussteigen zu lassen, wo er sich an den kommenden zwei Tagen mit dem Mountainbike einen Traum erfüllte.

Bussi und Baba!

Die Old Ghost Road

Ihr kennt das sicher, man bekommt von einem Kollegen eine Email geschickt, mit einem coolen Bike Video mit traumhaftem Ausblick und flowingen Abfahrten, aber halt ewig weit weg. Genau so war es bei mir auch, als unser neuseeländischer Importeur mir ein Video zeigte von der Old Ghost Road, zu dessen Gipfel sich Leute sogar mit dem Helikopter inkl Bike fliegen lassen um nur einmal in den Genuss dieser Abgeschiedenheit und Schönheit in den Bergen Neuseelands zu kommen.

Das geniale an der Old Ghost Road ist, dass sie abgeschieden von jeglicher Zivilisation durch die Berge führt und nur ein paar Selbstversorgerhütten auf der Strecke liegen. Der alte 85 km lange Goldgräberweg kann so also entweder in 5 Tagen erwandert oder in 2-3 Tagen mit dem Rad bezwungen werden – Abzweigungen, Abkürzungen gibt es quasi keine. Für den Radsportler ist dieser Trail nochmal spannender, da es sich um 100 % Single Trail handelt, also keine Forststraße, kein Asphalt, MTB Erlebnis pur. Ich wollte es unbedingt durchziehen und so musste ich auch das etwas schlechtere Wetter am ersten Tag in Kauf nehmen und die Vorhersage dass es dort oben noch schneien könnte.

Schon bald lernte ich eine Gruppe Kiwis (= Neuseeländer) kennen, mit denen ich dann bis zur Hütte fuhr und abends noch lange saß. Die Hütte war trotz der widrigen Bedingungen mit 28 Personen fast ausgebucht und einige der Männer (sorry Mountainbiker sind auch in NZ zum Großteil Männer) machten es sich zur Challenge, so groß und schmackhaft wie möglich auf der Hütte aufzukochen. Also wenn bei den Roadies oder Ultralight Hikern oft jedes Gramm gezählt wird, hier wurde Schweinskarree, Erdäpfel, Gemüse und zahlreiche weitere Gänge aufgetischt, natürlich alles mit der passenden Weinbegleitung und als Dessert Whiskey und Schokolade. Früh am nächsten Morgen begleitete mich der Nebel noch ein Stück (und angeblich soll der Sternenhimmel in der Nacht „tremendous“ gewesen sein) doch hatte ich auch etwas Zeitdruck, da ich zu meinen Mitreisenden meine Ankunftszeit am noch immer 55 km entfernten Trailende vielleicht etwas zu optimistisch eingeplant hatte. (Anm. Maria: Martin wäre nicht Martin, würde er Ankunftszeiten nicht fast immer zu optimistisch einschätzen..)

Ich könnte noch ewig über den Trail schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen, hier lieber ein paar Bilder:

Nachdem wir unseren Super-Sportler also wieder erfolgreich bei uns hatten wurde g’scheid eingekauft: und zwar für nichts geringeres als Wienerschnitzel mit Petersilerdäpfel und Preiselbeermarmelade und als Nachspeise Kaiserschmarr’n mit Apfelmus. Schließlich war der 26.10. – Nationalfeiertag in Österreich!

Von Westport aus arbeiteten wir uns dann Highlight für Highlight an der Westküste entlang bis hinunter nach Haas, wo wir ins Landesinnere nach Wanaka einbogen.

Die Westküste

Pancake Rocks

Steinformationen, die Aussehen wie neben- und übereinander gestapelte Pfannkuchen.

Die Formationen entstanden vor etwa 30 Millionen Jahren durch übereinander geschichtete Ablagerungen. Warum diese Ablagerungen nur hier so eine spezielle Form aufweisen, kann sich die Wissenschaft bis dato nicht genau erklären. Für den Tourismus ist dieses Naturschauspiel aber ein gefundenes Fressen. Ein riesiger Campervanparkplatz, einige Busparkplätze, ein paar Infoschilder und ein fescher Rundspaziergang sind an diesem Ort entstanden. Nicht zu vergessen: das Cafè, in dem man alle möglichen Pfannkuchen genießen kann. Wir haben es ganz traditionell (amerikanisch) probiert: mit Ahornsirup und Speck. Was sich zunächst anhört wie der Gusto einer Schwangeren ist gar nicht mal so schlecht. 😉

Hokitika Gorge

Knapp 30 km von der Küste ins Landesinnere findet man eine wunderschöne Schlucht mit strahlend eiszuckerl-blauem Wasser (vor allem bei schönem Wetter). Bei uns war das Wetter zwar nicht wunderschön, aber der kurze Weg zur Schlucht, der bereits über das eisblaue Wasser führte, war sehr schön und die Szenerie überzeugte uns wieder einmal wie außerirdisch schön unser Planet sein kann.

Franz Josef

Die Stadt, die so heißt wie ein ehemaliger österreichischer Monarch beheimatet auch den gleichnamigen Gletscher. Direkt auf den Franz Josef gelangten wir aber nicht: Es gibt zwar einige geführte Touren, die einen direkt zu den Eismassen bringen, um darauf herum zu spazieren. Diese und jene, bei denen man mit einem Helikopter hinauf fliegt erschienen uns aber nicht nur zu teuer sondern vor allem etwas paradox, blickt man auf den Klimawandel und die voranschreitende Gletscherschmelze.

Wir entschieden uns dafür, einen Wanderweg zu gehen, dessen Gipfel einen schönen Ausblick auf den Gletscher liefern sollte. Gegangen sind wir aber dann den Alex-Knob-Wanderweg der uns mit seinen 17,2 km einen 8 Stunden langen Wandertag bescherte. Über 1000 hm stapften wir hinauf – großteils Schweigend und eigentlich überhaupt nicht gemeinsam. Warum? Aufgrund einer Auseinandersetzung, die ca fünf Minuten vor Start der Wanderung komplett aus dem Ruder geriet, gingen Martin und Georg erstmals in eine komplett andere Richtung und irgendwann fanden wir uns aber alle auf demselben Weg wieder – und zwar am Alex-Knob-Weg, wie uns irgendwann dämmerte.

Das Wetter glich unserer Stimmung: es war nebelig und etwas regnerisch und zum Gipfel hin wurde der Nebel immer dichter. Am höchsten Punkt angekommen sahen wir nur wenige Meter weit, wo der Franz Josef lag, konnten wir uns also nur denken. Martin, der es sich nicht nehmen ließ, sich kurz vor dem Gipfel überraschenderweise noch gach einen „Franz Josef Bart“ zu schneiden, blieb noch etwas im Nebel und hoffte doch noch ein Foto mit dem Gletscher zu bekommen: ein Franz Josef vor Franz Josef, sozusagen.

Den (für Gemüt und Körper) anstrengenden Tag ließen wir dann gemeinsam in der ortsansässigen Therme ausklingen, wo wir zwischen 36°, 38° und 40° warmen Outdoor Wasserbecken verwöhnt wurden und erschöpft vor uns hin schrumpelten.

Lake Matheson

Seht ihr wie schön sich der Himmel, die Berge und die Bäume im Lake Matheson spiegeln? Genau dafür ist dieser See touristisch sehr beliebt. Warum hier so eine perfekte Spiegelung möglich ist liegt einerseits am Dunklen Grund des Sees und andererseits an der Windstillen Lage, die den See häufig spiegelglatt werden lassen.

Es gibt einen Rundweg, den man in einer Stunde schaffen kann, wenn man nicht alle paar Minuten stehen bleibt, weil der Himmel ein bisserl mehr aufklarte und die Spiegelung immer schöner wurde – wie es bei uns der Fall war. An besonders klaren Tagen spiegelt sich sogar der berühmten Mount Cook im Lake Matheson.

Wanaka

Vom Lake Matheson düsten wir mit unserem treuen Mobil 270 km süd-östlich, um dann am späten Nachmittag in Wanaka anzukommen. Das Städtchen Wanaka ist idyllisch gelegen an einem See und hat für uns Reisende einiges zu bieten: rings herum zieren schneebedeckte Berge die Landschaft und von der Westküste kommend fährt man eine Zeit lang auf einer Straße, die zwischen den zwei Seen der Gegend gelegen ist. – So schen!

Nach vier Stunden Autofahrt, wenig Essen am Vorabend und nur einem kleinen Frühstück kippte ich zunächst einmal vor lauter Unterzucker mitten im riesigen Supermarkt fast um. Nach reichlich Snacks und Zuckersafterl ließen die weichen Knie und das Zittern wieder nach und wir machten uns auf den Weg, einen geeigneten Stellplatz für die Nacht zu finden. Und wir fanden einen: direkt am See gelegen.

Unser eigentlicher Plan war es ja, in Wanaka den berühmten Roys Peak zu erklimmen (bitte nicht zu verwechseln mit dem Fitz Roy in Patagonien, so wie ich das immer tue..). Leider wurde uns die Erklimmung auf Grund der „Lambing-Season“, die auf diesem Berg von Anfang Oktober bis 10. November herrscht, verwehrt. Wer sich jetzt (zurecht!) fragt, was denn bitte die Lambing-Season ist, der stelle sich einfach einen Almauftrieb in den österreichischen Alpen vor, nur dass in Neuseeland eben weniger Kühe auf den Almen zu Hause sind, sondern Schafe über Schafe. Und weil es im Frühling so viele Lämmer gibt, die zum ersten Mal auf die Almen kommen, werden manche Wege und Berge für Wanderer gesperrt, damit sich die Tiere einmal „einleben“ können – so, oder so ähnlich haben wir es zumindest verstanden.

Als alternative Wanderung wurde uns – und ALLEN anderen, die den Roys Peak zu dieser Zeit ins Auge gefasst hätten – der Isthmus Peak ans Herzen gelegt. Steil bergauf, Serpentine um Serpentine mit einigen anderen Wanderern stiegen wir über 1000 hm hoch hinauf um dann einen Ausblick zu genießen, der sich wirklich lohnt. Warum lohnt er sich? Man wandert auf relativ freiem Glände rauf, was bei den vorherigen Wanderungen eigentlich nie der Fall war und hat somit perfekte Aussicht auf die scheebedeckten Berge, die blauen Seen und überhaupt fühlt man sich wie ein Kaiser im Mittelpunkt dieser malerisch schönen Szenerie. Selbst bei unserem Abstieg, gegen 4 Uhr Nachmittags strömten immer noch einige Wanderer Richtung Gipfel – ob sie es bei Tageslicht wieder hinunter geschafft haben, erfuhren wir nicht.

BH-Zaun

Auf dem Weg von Wanaka nach Queenstown gibt es den berühmten „Bra-Fence“, an welchem unmengen an BHs aller Größen, Formen und Farben hängen. Da mussten wir natürlich auch wir einen kurzen Stopp einlegen.

Queenstown

Queenstown – die Stadt für Adreanlin-Junkies und Party-People, für Backpacker, Studenten und Menschen die das Leben lieben. In der Hauptsaison ist es hier glaub ich unmöglich, den Kleinstadt-Charme zu genießen, da schieben sich die Touristen durch die Gassen, ähnlich wie in der Getreidegasse in Salzburg…. Wir sind am 31. Oktober in die Stadt eingefahren, also noch in der Vorsaison, und trotzdem war schon einiges los und die Campingplätze waren teurer als überall anders. Aus diesem Anlass buchten wir uns seit langem wieder einmal eine Unterkunft mit vier festen Wänden und erkundeten dann die Halloween-Nacht in Neuseeland.

Martin hat einmal irgendwo aufgeschnappt: „Wenn du in Neuseeland nicht irgendwo hinuntergesprungen bist, dann warst du nicht wirklich da. Und dann lassen sie dich auch nicht ausreisen!“ Mit diesem Gedanken im Kopf starteten wir am nächsten Tag in eines der vielen Reisebüros und Martin ließ sich alle Optionen fürs „wo runter springen“ aufzählen, sah sich einige Sprung-Videos an und war dann schnell überzeugt einen Fallschirmsprung aus 12000 m Höhe für den kommenden Tag zu buchen. Weil wir uns so gut mit unserer Reisebüro-Lady verstanden, hatten wir sogleich genügend Programm für unsere Zeit in Queenstown gebucht:

Ritt durch Isengard

  1. Programmpunkt, Maria:Seitdem uns in der Mongolei das Pferdereiten verwehrt wurde, ließ mich der Gedanken nicht los, dass mir das auf dieser Reise irgendwie noch fehlte. So buchte ich kurzerhand einen 1,5 Stunden Ausritt, der mich (etwas außerhalb von Queenstown) durch die Landschaftskulisse und an ein paar spezifische Drehorte der Herr der Ringe Triologie führen sollte.

Gemeinsam mit einem Pärchen aus Japan, die zum allerersten Mal in ihrem Leben auf einem Pferd saßen, und unserer Tourguide ritt ich auf einem treuen, ruhigen Pferd namens Marley durch atemberaubende Landschaften und hörte einige interessante bis kuriose Geschichten über den Herr der Ringe Dreh in diesem Gebiet. Zum Beispiel wurde der Wald, in dem der Tod Boromirs im ersten Teil gedreht wurde, Peter Jackson komplett kostenlos zur Verfügung gestellt, weil er dafür sorgte, dass nach den Dreharbeiten wieder alles so aussah wie zuvor. Außerdem wurde in der gleichen Gegend auch Wolverine gedreht, u.a. eine Szene wo Hugh Jackman nackt durch die Gegend läuft. Um diesen Dreh von neugierigen Augen abzuschirmen wurden alle Straßen zum Drehort gesperrt – nur nicht die Reiterwege und so sahen (angeblich) einige verwunderte Leute bei ihrem Ausritt einen nackten Hugh Jackman. Ob’s wahr ist oder nicht – die Geschichte alleine ist schon mal gut finde ich. Hier noch die Szene aus dem Film, für alle die sie nicht kennen.

Die Nacht vor dem Reiten, verbrachten wir übrigens auf einem der kostenfreien Stellplätze für Self-Contained Vehicles – ja so schön können die aussehen! 😉

Den Abend verbrachten wir dann gemeinsam und herrlich gechillt am Ufer des Sees in Queenstownmit, einem Karton Cider. Warum das so erwähnenswert ist: unsere Mitarbeiterin des Vertrauens vom Reisebüro hat uns, auf unsere Frage hin was man an einem angebrochenen Tag in Queenstown machen sollte, folgendes empfohlen: „Kauft euch einen Karton Cider, bestellt euch Online eine Pizza um 5 NZ-Dollar und setzt euch an den See, dort ist es am schönsten.“ Und so war es auch – den Cider haben wir genossen und die Pizza gegen einen der berühmten und zurecht in höchsten Tönen gelobten Burger der Ferg-Burgerei and -Bäckerei eingetauscht. Das Feeling war dann so ähnlich wie im Sommer in Linz an der Donaulände: irgendjemand macht immer Yoga, ein anderer Akro-Yoga und wieder andere spannen eine Slackline oder Jonglieren. Müll liegen blieb auf der Wiese übrigens keiner – ALLE stellten ihre leeren Flaschen zumindest zu den Tonnen, falls kein Platz mehr drinnen war.

Milford Sounds

An den süd-westlichen Fjorden der Südinsel Neuseelands gelegen befindet sich das wunderschöne Milford Sounds. Heimat für Pinguine und Seehunde sowie für Berge, Gletscher und Wasserfälle. Meistens ist die Region wolkenverhangen, aber wir hatten Glück!

Um uns die insgesamt 600 km nach Milford Sounds und wieder zurück nach Queenstown zu ersparen stiegen wir wieder einmal in einen Tourbus ein, dessen Dach sogar verglast war, um so viel Perspektive wie möglich zu bekommen. Das hatte vor allem den folgenden Grund: bereits die Hinfahrt zu den Fjorden war wunderschön! Mit vielen Ah’s und Oh’s ging es 4 Stunden lang zu unserem Zielort und wenn man sich die Strecke auf Google Maps ansieht dann versteht man erst einmal nicht, warum es keinen direkteren Weg von Queenstown zu den Fjorden gibt. Aber die Natur ist einfach doch stärker als der Mensch und so legt man bei dieser Fahrt einen gewaltigen Umweg zurück, der sich aber sehen lassen kann. Bei dieser Unternehmung sagen wirklich Bilder viel mehr als Worte, vor allem weil wir wirklich richtig viel Glück hatten (was in dieser Gegend selten der Fall ist) und mit blauem Himmel und herrlichstem Wetter empfangen wurden – also seht am besten selbst!

und da war noch was….

Martins erster Sprungversuch im Dörfchen Glenorchy am Samstag wurde wegen des starken Windes noch abgeblasen, der Ersatztermin am Montag, hielt jedoch was er versprach. Das vom-Himmel-runter-Springen wurde hier zur Perfektion betrieben, startete ein Flugzeug mit springwilligen Kunden, landete kurz darauf schon wieder das nächste um weitere Adrenalin Junkies in die Höhe zu bringen. Warum ich mich also für das Skydiven entschieden habe? Weil man alles in einem Paket hat: einen Panoramaflug über die neuseeländischen Alpen, einen Sprung aus dem Flugzeug und dann noch Paragliden – besser geht’s doch gar nicht, oder? Es ging so rasch, ich schlupfte in den Anzug, bekam meinen Dive Buddy vorgestellt, der alles 5x Überprüfte und schon stiegen wir in die kleine Propellermaschine mit transparenter Schiebetür. Vielleicht war ich von der kleinen Maschine mit der wir auf Aitutaki flogen etwas abgehärtet, vielleicht hatte ich auch vom vielen Drohne fliegen eine Vorstellung wie die Welt, die Berge und Seen von oben aussehen, jedenfalls befand sich mein Nervositätslevel gut am Boden. Die Aussicht war beeindruckend, fast etwas beruhigend, bis dann plötzlich die Seitentüre des Flugzeugs aufging und sich das erste Sprungpärchen verabschiedete. Dann setzte auch meine Nervosität ein, doch konnte ich gar nicht so schnell schauen, befanden wir uns bereits auf der Kante, ich konnte/musste ja auch eigentlich gar nichts tun (somit auch nichts falsch machen), da sich mein Dive Buddy während des aufsteigenden Fluges seinen mit meinem Anzug verbunden hatte. auf 3-2-1 da waren wir schon draußen, wobei draußen in diesem Fall an der wirklich frischen Luft bedeutet in der Luft. Mein Mund wackelte, ansonsten dachte ich nur an Banane, Banane, Banane – die Krümmung die wir eine Stunde zuvor gelernt hatten, die wir im freien Fall einnehmen sollten. Ansonsten geht einem eigentlich in diesen 45 sec bei max. 200km/h freiem Fall nicht durch den Kopf – die Aussicht genießen kann man dafür während der Paraglide-Phase und im Nu hat man auch wieder festen Boden unter den Füßen. Mein Fazit, kann man machen muss man aber nicht, hier noch ein paar Bilder und Videomaterial zum Sprung:

Von Queenstown bis Christchurch verging die Zeit dann relativ rasch. Einerseits hatten wir nurmehr wenige Tage über, dafür aber noch einiges an Kilometern zu fahren – jetzt hieß es einfach Abstriche machen.

Clay Cliffs & Twizel

Auf dem Weg nach Tekapu folgten wir einem der vielen „Natur-Highlight“-Schildern die man in Neuseeland findet und holperten auf einmal quer über eine Schotterstraße zu ziemlich cool aussehenden Steinformationen, wo wir auch endlich wieder einmal die Drohne fliegen lassen durften.

Unsere Kaffee-Pause verbrachten wir in Twizel (schon alleine der Name des Ortes ist sehr genial, wie ich finde), wo wir über einen sehr kuriosen Shop stolperten, der von Haushaltsgeräten, Spielen, Handwerkerutensilien bis hin zu Strick- und Outdoor-Zeugs alles hatte. U.a. auch einen überdimensionalen Campingsessel, den wir beinahe mitnehmen wollten…

Lake Pukaki and Lake Tekapu

Direkt am Lake Pukaki übernachteten wir auf einem gratis Stellplatz, der uns einen kitschigen Ausblick auf den eisblauen See gab. Bei schönem Wetter kann man in der Ferne, am anderen Ende des Sees den stolzen Mount Cook bewundern – uns blieb leider nur übrig, die Wolken zu betrachten. Am Lake Tekapu, wo wir am Tag danach übernachteten, hatten wir bereits etwas mehr Glück mit dem Wetter und der Aussicht. So spazierten wir zu einer nahegelegenen Steinkirche, die von typisch neuseeländischen Blumen umgeben ist.
Vielleicht noch erwähnenswert, Tekapu zählt zu einer der besten Gegenden um Sterne zu beobachten, da sie besonders darauf achten, die Lichtverschmutzung so gering wie möglich zu halten – in einer bewölkten Nacht, hat das jedoch nur wenig Einfluss und so zogen wir weiter.

Akaroa

Bevor wir unseren Roadtrip beendeten verbrachten wir noch 2 Nächte auf der Halbinsel Akaroa, die für Christchurch’s Bewohner oft als beliebte Wochenenddestination gesehen wird. Auf der Halbinsel gibt es eine nennenswerte französische Gemeinschaft, was an so mancher Ecke eine Boulangerie mit frischen Baguettes sprießen lässt. Wir ließen den Abend bei Cocktails und passenden French Fries mit Blick auf das Meer ausklingen.

Martin und ich nahmen an diesem letzten Tag mit Campervan noch einmal eine allerletzte Wanderung in Neuseeland in Angriff, während Georg den Campervan mehr nutzte und den Tag gemütlich darin und rundherum verbrachte. 😉

Der Stony Bay Peak war unser Ziel und anscheinend wollte an diesem Tag kein anderer Mensch diesen Berg erklimmen – wir trafen bei unserem Aufstieg genau drei Personen, darunter einen der sich um die Pflanzen kümmerte und den anderen beiden seine Tätigkeit erklärte. Ansonsten trafen wir auf keine andere Menschenseele – obwohl das Wetter für eine Wanderung einfach zu herrlich war und der Ausblick über die charmante Halbinsel noch einmal richtig atemberaubend! Die gelben Blüten, die man auf jedem Foto sieht, duften übrigens so gut nach Pfirsichen, dass wir uns schon auf ein paar Pfirsich Bäume gefreut hätten, die dann aber nie auftauchten…

Christchurch

In Christchurch hieß es erstmal Abschied nehmen von unserem treuen Gefährt der vergangenen fünf Wochen. Vollgetankt und geputzt brachten wir den Van mit stolzen 4500 km mehr am Buckel und ohne Schäden zurück zum Vermieter. Und dann wurden wir mit unserem gesamten Zeug (was deutlich mehr geworden ist über die letzten Wochen) von Peter abgeholt. Peters Eltern sind Freunde der Familie Tutschek und er selbst hat sich nach einer Weltreise vor acht Jahren für seinen neuen Wohnsitz in Neuseeland entschieden. – Glück für uns, wir kamen nämlich wieder einmal in den Genuss herzlichster österreichischer Gastfreundschaft. Peter teilt sich ein Haus, 20 Minuten Gehzeit von Christchurchs Zentrum entfernt, mit einem Italiener, einem Deutschen, drei Franzosen, einem Iren und einer Neuseeländerin. Was sich erstmal anhörte wie ein sehr langer Witz stellte sich als richtig lustige, bunte Wohngemeinschaft heraus, bei der wir die erste Nacht unseres letzten Ortes in Neuseeland verbringen durften. Bei frühsommerlichen Temperaturen wurde bis spät in die Nacht gegrillt, getrunken und getratscht. 

Christchurch ist wieder ganz anders als die anderen beiden „großen Städte“ Neuseelands. Die Stadt erstreckt sich in vielen kleinen Einfamilienhäusern sehr weitläufig um den Stadtkern, es gibt einen riesengroßen Park und eine nette Innenstadt. Nach dem verheerenden Erdbeben im Februar 2011 befinden sich teile der Innenstadt immer noch (!) in den Aufbauarbeiten. Immer wieder sieht man alte Gebäude, die von Baugerüsten umrahmt sind und die uralte Kirche im Zentrum der Stadt ist komplett geschlossen und wartet auf Spenden um den Aufbau anzukurbeln.

Wir verbrachten die letzten Tage in Neuseeland noch damit, uns mit div. Ausrüstungsgegenständen einzudecken, die wir voraussichtlich in Patagonien brauchen würden und kauften für unsere Wanderung ein paar Outdoor-Mahlzeiten ein. Am 13. November ging es dann zum Flughafen in Christchurch wo wir zuerst Inlands bis Auckland flogen und dann ein 10-stündiger Flug nach Santiago de Chile anstand.

Was war noch los?
Martin war traurig weil es überall Drohnenflugverbote gibt…..

…..wir ließen uns ein traditionelles Maori-Tatoo machen und aßen auf Akaroa frische Bratwürste vom Fleischermeister vor Ort, die waren fast so gut wie z’Haus.

MaGeMa Tipps Neuseeland Südinsel:

  • Springt wo runter! Ich wurde von der Check-in Lady am Flughafen über dieses ungeschriebene Gesetz eingeweiht – man kann/darf Neuseeland nicht verlassen ohne irgendwo hinuntergesprungen zu sein – ich kann das aus dem Flugzeugspringen in Queenstown nur wärmstens empfehlen.
  • gehe einen der „Great-Walks“, sie sind wirklich „great“, mit atemberaubenden Landschaften, mitten in der Natur und sowohl Wander-Neulinge als auch leidenschaftliche Bergsteiger kommen hier auf ihre kosten.
  • Falls du überlegst, eine Drohne mit zu nehmen, weil die Natur so wahnsinnig schön ist in Neuseeland: lass es lieber! Vor wirklich jedem Nationalpark ist eines dieser gemeinen „No-Drone-Zone“-Schildern, die es ausdrücklich verbieten, dort zu fliegen…
  • Iss einen Burger/Brot/Weckerl bei Fergburger in Queenstown
  • und nochmal, plant genügend Zeit für Neuseeland ein, es ist am anderen Ende der Welt und gach durchzuhuschen, macht das Erlebnis nicht schöner.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s